Peru 2001 - Auf großer Fahrt

oder die Reisen der beiden Anderen
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Peru 2001

Reiseberichte









Down it's easy oder die Besteigung des Sonnentores!


Mit Käpt'n Blaubär und Hein Blöd durch Peru (25. 05. 2001 - 10.06.2001)



Ja, es stimmt, dieser Bericht kommt reichlich spät. Zumal wir inzwischen Kuba und China bereist haben. Aber bis vor wenigen Tagen hatte sich der Käpt'n mit Händen und Füßen gegen eine Veröffentlichung gewehrt. Hier ist er nun, der Bericht:
Eigentlich wollten wir dem alten Käpt'n und Hein die Strapazen einer solchen Reise ersparen. Als sich aber herausstellte, dass Jo's Schwester mit den Kindern während unserer Abwesenheit unsere Wohnung benutzen wollte, sahen wir die Reise als das geringere Übel für die beiden an und nahmen sie doch mit. Sie waren verständlicherweise ganz aus dem Häuschen, denn ihre letzte richtig große Reise lag schon Ewigkeiten her. Seine Blaubärgeschichten waren doch schon alles alte Kamellen und entsprachen, wie er uns im Vertrauen und der Vorfreude auf die Perureise verriet, nicht immer ganz der Wahrheit. Vor der großen Reise wollte Jo den beiden auf der Karte zeigen, an welchem Ende der Welt Peru zu finden sei und mit ihnen anhand des Reisekataloges die Route durchgehen. Aber der Käpt'n winkte nur ab und meinte, sie seien beide schon dort gewesen und besonders er würde sich bestens zwischen den Anden auskennen und zurechtfinden. "Das werden wir ja sehen", sagte Jo. "Zwischen den anderen kenne ich mich auch aus!" rief Hein von hinten.
Und so begann das Abenteuer. Für uns, Jo und Friedel, mit 18-stündiger Häschenstellung in der Lufthansamaschine und für Käpt'n Blaubär und Hein Blöd relativ bequem im Handgepäck, wenn auch im Dunkeln.
Wenn man irgendwohin fährt und sich dort nur eine kurze Zeit lang aufhalten kann, dann muss man mit dem Wetter vorlieb nehmen, das einem gerade geboten wird. So in Lima, unserer ersten Station. Im Gegensatz zum Käpt'n wusste ich, Friedel, gerademal, wo Peru liegt. Und vielleicht noch Lima. Aber das auf die dortige Küste der eisige Humboldtstrom trifft und die ganze Gegend samt Lima in dichte, nass kalte Nebelschwaden taucht, habe ich erst dort gelernt. Dieses Gespenst heißt Garua und geistert von Mai bis Oktober durch die Straßen der Hauptstadt. Obwohl sich dieses Wort nicht besonders flüssig aussprechen lässt, war es bei allen Reiseleitern sehr beliebt. Bloß weil Pizarro schiss hatte vor seinen eroberten Völkern und sich in der Nähe seiner Flotte sicherer fühlte, gründete er ausgerechnet hier Lima. Uns hätte der Platz zum Bauen nicht gefallen. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz findet der Besucher hier herrliche Prachtbauten aus der Kolonialzeit mit verspielten Details, Brunnen, Prunkleuchten, Haustüren, Denkmäler aller Art, Tauben, geschnitzte  hölzerne Balkons: Fotomotive für jeden Geschmack und in ausreichender Zahl. Und dazwischen immer wieder die kleinen Schuhputzer mir ihren Holzkisten und andere Menschen. Auf einem engen mit Bäumen und Bänken bestandenen Platz saß inmitten anderer einer dieser kleinen barfüßigen Schuhputzer. Er hatte einen alten, für ihn viel zu großen Pullover an, dessen riesiger Ausschnitt seine linke Schulter entblößte. Den rechten Fuß stützte er auf seine Kiste mit den Bürsten und Cremes. Mit offenem Gesicht, freundlich und traurig in einem, schaute er uns bittend an, die linke Hand bereit zum Empfangen eines Soles. Im kalten Nebel wirkte die Gestalt verzweifelt. An keiner Stelle ist seine Bronze blank gerieben, denn auch er bringt den Schuhputzern aus Fleisch und Blut kein Glück.
Im Vorort Monterrico befindet sich das Museo de Oro mit einer Privatsammlung von Kunst- und Gebrauchsgegenständen aus Gold, Silber, Juwelen und Keramik. Auch ein paar vertrocknete Mumien hocken in den Vitrinen und heften ihren starren Blick auf die Besucher. Es ist schier unglaublich, was Grabräuber so alles ans Tageslicht beförderten und hier zusammengetragen haben. Unvorstellbar, was wieder im Dunkeln verschwunden ist. Die Schaukästen an den Wänden und mitten im Raum sind unübersichtlich und hoffnungslos überladen, die Beleuchtung grauenhaft, die Schätze aber einmalig. Neben dem vielen Gold und Silber fanden Gegenstände des täglichen Bedarfs aus Keramik und Holz ganz besondere Beachtung: Dildos in allen gängigen und unerhörten Größen! Sie waren auch schon früher ein besonderer  Spiegel der Wünsche und Sehnsüchte der Herren der Schöpfung. Das Interesse der Touristen daran war verständlich, denn auch wir waren noch nie zuvor in unserem Leben in einem Museum für präkolumbianische Dildos gewesen. Auffallend war, dass auf den Dingern, die frei zugänglich an der Wand hängen, kein Staub lag.
Die ganze Ostseite des Plaza de Mayor im Herzen der Stadt wird durch die Kathedrale beherrscht. In einer kleinen Seitenkapelle haben die Nachfahren Pizarros sein Skelett hauptsächlich für die Touristen ausgestellt und damit gleichzeitig ihrem ersten Fremdenführer ein angemessenes Denkmal gesetzt. Die Nachfahren der Ureinwohner sitzen derweil draußen auf den Stufen und warten.
Am 3. Tag verlassen wir das kalte Lima mit Aero Continentale und landen kurz darauf in Iquitos (nördliches Amazonasgebiet), der einst wichtigsten Gummimetropole der Welt. Während des Fluges war uns beständig Wasser aus der Gepäckablage auf den Schoß getropft. Wahrscheinlich hatte es auf dem vorhergehenden Flug durchgeregnet. Oder hatten der Käpt'n und Hein doch Angst vor'm Fliegen? Als uns beim Verlassen der Maschine das Dschungelklima bei der Gurgel packte, war uns sofort klar, dass wir von der einstigen mondänen Pracht nicht mehr viel vorfinden würden. Dieser Verdacht bestätigte sich dann auch, als wir mit einem Bus für Kleinwüchsige durch die Stadt fuhren. Mit einem unternehmenseigenen Flusstaxi von Explorama schipperten wir über den Amazonas in die 40 km entfernte Lodge. Unsere beiden blinden Passagiere wurden ganz hippelig, als sie das Wasser unter dem Kiel spürten.
Nach dem Mittagessen ging es schnurstracks in den gefürchteten, mit wilden Tieren verseuchten Dschungel, der gleich hinter den Bungalows begann. Mucksmäuschenstill lauschten wir auf die fremdartigen Geräusche der Wildnis, hörten aber nichts. Vorsichtig schlichen wir unserem Führer nach, immer darauf gefasst, in den Hinterhalt eines Jaguars oder dem Würgegriff der Anakonda zu geraten, aber nichts dergleichen. Die wildeste Begegnung hatten wir mit zwei ängstlichen Moskitos. Dann wollten wir uns wenigstens an der üppigen und grandiosen, alles überwuchernden Vegetation ergötzen. Die war aber schon lange vor uns abgeholzt worden. Statt dessen hatten fleißige Leute eine Bananenplantage angepflanzt. Aber auch die war inzwischen wieder verschwunden. Der Weg führte uns zu dem einzigen übrig gebliebenen Urwaldriesen der ganzen Gegend. Die anderen waren gerade auf großen Lastkähnen auf dem Amazonas unterwegs. Am Fuße seines riesigen Stammes erklärte uns der örtliche Reiseleiter, dass hier im Moment ein Sekundärwald entstünde. Ich musste bei dem Wort sofort an Sekundärrohstoffe denken. Der Spaziergang war trotzdem ganz nett, wenn man bedenkt, dass wir in frischer Luft Bewegung hatten. Bot die Dschungellodge auch keinen vernünftigen Dschungel, so waren doch die Zimmer klimatisiert und das Schwimmbecken im Garten mit Whirlpool und Rutsche. Und nicht zu vergessen die bunten Aras, die einem dauernd auf die Füße traten.
Am nächsten Morgen ging es noch vor dem Frühstück mit dem Boot raus zum Vögeln. Vögel beobachten! Der Bootsführer schmiss den donnernden Motor an und jagte mit uns durch die Dämmerung. Die Einheimischen machten mit ihren kleinen Nussschalen einen großen Bogen um uns und die Vögel, die wir beobachten wollten, gingen in Deckung. Schlugen dann doch einmal irgendwo ein paar Federflügel durch die Luft, stürzten sich sofort alle Fotoapparate darauf, egal wie weit weg.  ......

Nach dem Frühstück suchten wir ein Vorzeigeindianerdorf heim. Es liegt etwas flussaufwärts auf mehreren Hügeln, hat zwei sich kreuzende Betonstraßen, die wegen des vielen Wassers während der Regenzeit so hoch sind, dass man sie nur über Treppen erreichen kann, dazu zwei Motorräder, ein Hospital, eine Schule mit sehr ordentlich in schwarz-weiß gekleideten Schülern, eine ganze Menge schwarzköpfiger Geier, die uns mit gierigen Augen nachschauten, hübsche Jungs, die weniger ordentlich gekleidet waren und nicht zur Schule gingen, dafür aber versuchten, uns kleine unansehn-liche Fische zu verkaufen. Oberhalb der Bootsanlegestelle befindet sich ein kleiner Markt und bevor wir uns zur Weiterfahrt einschifften, wurde dort auf Anraten unseres Reiseleiters von unserer Gruppe eine größere Menge Tauschseife erhandelt. Bei uns zu Hause würde man Kernseife dazu sagen. Nach einer kurzen Bootsfahrt gelangten wir zu den Kunstgewerbeerzeugnissen der Yagua-Indianer, die wir vom Ufer aus nach wenigen Schritten erreicht hatten. Bevor wir an die Stände mit den Auslagen durften, mussten wir uns ihren Tanz gefallen lassen. Dazu saßen wir in einer großen ovalen, mit Palmwedelmatten gedeckten Hütte, während die Damen und Herren Indianer mit den Füßen unlustig eine Menge Staub aufwirbelten. Als Gegenleistung mussten wir mit ihren besabberten Blasrohren auf einen Bananenstamm kleine Pfeile abschießen, was sie köstlich amüsierte. Allerdings hatte niemand von ihnen mit F.T. gerechnet, auch ihr Oberhäuptling nicht, der uns eingewiesen hatte. Ich hatte mit drei Versuchen drei Treffer. Hinterher wurde mir erst klar, warum er mir so schnell das Pusterohr wieder weggenommen hatte. Er selber hatte ja zuvor einen Fehlversuch gehabt. Unser Reiseleiter, der gute Herr Holter, erzählte uns später, dass es bisher noch nie einem Touristen gelungen sei, mit drei Versuchen den Häuptling zu schlagen. Er schwärmte noch während der ganzen folgenden Reise davon. Er meinte, ich würde sehr gut im Dschungel überleben können. Das stimmt, ich brauchte nur jemanden, der mir die Pfeile schnitzt und zeigt, wo es lang geht. Also den Käpt'n und Hein. Aber ich hatte das gar nicht als Triumph empfunden, weil es doch so einfach war. Da ich meine Brille nicht dabei hatte, peilte ich zwischen den beiden vorderen Enden des Blasrohres hindurch auf genau den mittleren der Bananenstämme. Übrigens, die Männer der Yaguas hätten in ihren flotten Baströckchen gar keine so schlechte Figur gemacht, wenn sie nicht eine Spur zu alt und ihr Bauch nicht eine Idee zu üppig gewesen wäre. Wir wären gern mal durch ihr Dorf geschlendert, um nachzuforschen, ob es nicht was Attraktiveres zu bieten hätte. Aber das lässt ihr Grundgesetz nicht zu. Da ein schwerer Bauch das Jagen ganz sicherlich behindert, nehmen wir an, dass sie sich ausschließlich von Touristen ernähren.
Als wir wieder auf dem Amazonas waren, steckte der Käpt'n seine blaue Nase aus dem Rucksack und fragte, ob die Luft jetzt wieder rein sei. "Warum?" fragten wir erstaunt. "Na, ich mein die dusseligen Indianer! Sind sie weg?" fragte er. Auch Hein steckte jetzt seine lange Nase aus dem Sack und holte tief Luft. "Die waren doch ganz nett, die Indianer", antworteten wir. "Ach was nett Kinner's, die sind ja so was von nachtragend, das glaubt man gar nicht", meinte der Blaubär. "Die kreiden mir immer noch an, dass ihre besten Jäger an Bleivergiftung gestorben sind."
"An Bleivergiftung?" Das überraschte uns. "Und was habt ihr beide damit zu tun?", wollten wir wissen. Hein Blöd meldete sich zu Wort, weil der Käpt'n inzwischen wieder abgetaucht war: "Na, er hat denen doch eine ganze Schiffsladung Diabolos für die Blasrohre angedreht!"
Und noch eines, weil es zu diesem Thema gehört: Vor ein paar Tagen hat der Reiseveranstalter bekannt gegeben, dass das Blasrohrschießen aus dem Programm genommen wurde. Aus hygienischen Gründen, wie es heißt.
Am Vormittag des fünften Tages wollten bzw. sollten wir die Schule eines anderen Indianerdorfes besuchen, ihre Tür aber war mit einem alten Vorhängeschloss verriegelt. Die Schüler, die alle bei unserer Ankunft zusammengelaufen waren, erklärten, die Lehrer seien alle in Iquitos, um ihr Gehalt zu empfangen. Diese Organisation würden die Schüler hierzulande sicher auch begrüßen. Irgendjemand trieb den passenden Schlüssel auf, und weil die Kinder schon mal da waren, mussten sie für die Gäste ein paar Lieder singen und solche Fragen beantworten wie z. B.: "Wie heißt die Hauptstadt von Deutschland?" Den Höhepunkt dieser peinlichen Bloßstellung bildete die erste Strophe von "Hoch auf dem gelben Wagen", vorgetragen von den Touristen, die mehr nicht zustande brachten. Vom Klassenzimmer ging es über den Dorfplatz zum Gefängnis. Das wiederum, war nicht verschlossen. Und es gab auch keine Möglichkeit dazu. Es war aus Latten zusammen gezimmert und hatte die ungefähre Form und Größe eines Herzhäuschens, nur dass die Sitzgelegenheit fehlte und Joachim darin nicht aufrecht stehen konnte. Und wie gesagt, die Tür ließ sich nicht verschließen. Wann das letzte Mal da jemand rein musste, konnte uns niemand sagen.
Auf einem Weg unweit des Ufers gingen wir an weit auseinander stehenden Pfahlhütten und frisch gerodeten Waldstücken vorbei zu einer entfernten Anlegestelle, wo uns die Boote erwarteten. Unterwegs wurde die Tauschseife an bedürftige Indianerinnen verteilt, die die Seife auf dem Markt gegen Brauchbareres eintauschen würden, denn soviel Seife, wie die Touristen verteilen, können sie beim besten Willen nicht an den wenigen Klamotten, die sie besitzen, verwaschen. Mich erstaunte die große Anzahl der Hütten, von denen einige schon vom Fluss aus zu sehen waren, denn ich hatte erwartet, in eine menschenleere Gegend zu kommen. Aber noch mehr überraschten mich die vielen Wahlplakate an den Hütten. Wir hatten vorher schon die Wahlreklame bemerkt, die wirklich nicht zu übersehen war, und sie verfolgte uns bis zum letzten Tag unserer Reise.
Wieder zurück in Iquitos machten wir einen kleinen Stadtbummel, der uns den Abschied von der Stadt leichter machte, auch wenn an verschiedenen Stellen etwas von der verlorenen Pracht aufblitzte. Obwohl ich die Augen offen hielt, konnte ich ihn nirgends entdecken: den alten Koch aus "Fitzgeraldo", den sie in jedem Reisebericht vorführen.
Es war der späte Nachmittag des fünften Tages, als wir nach Lima zurückflogen, wo vor unserem Hotel Käpt'n Blaubär und Hein Blöd ihren ersten großen Auftritt hatten. Natürlich in geheimer Mission! Sie haben Jo das Leben gerettet! Als Dank dafür werden wir sie in unseren Testamenten bedenken. Die Sache war so: Jo hielt einen Teil unseres Gepäcks vor sich und versperrte sich so die Sicht. Beim Aussteigen aus dem Bus, der uns vom Flughafen zum Hotel gebracht hatte, rutschte er plötzlich von der obersten Stufe ab, schlug mit dem Kreuz auf jede einzelne Stufe auf und erreichte so den Bürgersteig vor dem Hotel. Auf meinem Gesicht machte sich ein hämisches Grinsen breit. Aber das Lachen verging mir sofort, als ich ihn da liegen sah. Die Reise hätte auf einen Schlag für uns zu Ende sein können, aber so weit konnte ich in dem Moment gar nicht denken. Sofort war der Portier des Hotels helfend hinzugesprungen. Wir schafften ihn in die Lobby des Hotels. Es war wirklich vorbildlich, wie sich unsere beiden Reisebegleiter und das Hotelpersonal um ihn bemühten. Das Hotel rief sofort einen Arzt, der ihn dann versorgte, brachte Tee zur Beruhigung und Eis zum Kühlen, als sich herausgestellt hatte, dass bis auf die Schmerzen, den Hautabschürfungen und Prellungen keine größeren Schäden entstanden waren. Und warum waren keine größeren Schäden entstanden? Weil unsere beiden Kleinen ihn davor bewahrt hatten! Die hatte er nämlich im Rucksack, den er sich auf den Rücken geschnallt hatte. Sie hatten sich aufgeplustert wie zwei Luftballons und so die Wucht des Aufpralls abgefangen: Blödpower-Geheimagenten in Rucksackstellung!
Am 6. Tag fuhren wir morgens nach Pisco. Bevor wir aber das nass kalte Lima endgültig verließen, hielt der Bus in Barranco, einem Vorort, in dem viele Künstler hausen. Vorbei an einer vom letzten Erdbeben schwer geschändeten Kirche stiegen wir über die Seufzerbrücke von Barranco, um einen Holzschnitzer in seiner chaotischen Werkstatt zu besuchen. Hier hätte sich Willi Schwabe wohlgefühlt.
Auch hier bemerkten wir auf der Straße entlang der Steilküste und der Uferpromenade viele Menschen. Anfangs konnten wir uns nicht erklären, warum sie sich alle freiwillig in den feuchtkalten, windigen Nebel begeben und sehnsüchtig aufs Meer hinausblicken. Der Käpt'n hatte es uns verraten: Sie kommen, um zu beten, dass der Humboldtstrom endlich und für immer seine Richtung ändert.
32 Kilometer südlich bestiegen wir einen Hügel aus verrotteten Lehmziegeln, die man Adobe nennt. Es gibt einen gigantischen Softwareriesen, der davon seinen Namen ableitet. Ob nun von den heilen oder den verrotteten, weiß ich nicht. Der Hügel selber heißt Pachacamac und war die wichtigste Kultstätte in der Vorinkazeit. Wir standen frierend oben auf dem Hügel, mit Blick auf das Meer und der nahen Flussoase, und wussten nicht, was wir mehr bewundern sollten, die Kunst der Menschen, solche Tempel zu bauen oder ihren Mut, sie an dieser Stelle zu bauen. Die Gegend ist von Wüste eingeschlossen. Und dann plötzlich bestürmte uns eine Schulklasse. Wir waren die Exoten, die bestaunt und um Autogramme gebeten wurden. Die ersten in meinem Leben! Uns drängte es aber zurück in den Bus, den wir erst wieder verließen, um uns im Hotel Paracas einzuchecken. Das Hotel und der Ort Paracas liegen an einer Bucht, die von der Halbinsel Paracas eingerahmt wird. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass viele Namen mit Rücksicht auf die ausländischen Touristen, auf die man doch sehr angewiesen ist, vergeben wurden. Von der Seebrücke des Hotels bietet sich ein ungehinderter Blick auf den Fischereihafen. Die dahinter stehenden Fischmehlfabriken waren nicht nur in Sichtweite, man konnte sie auch ganz gut riechen. In den Zimmern nahm man einen noch kräftigeren Geruch wahr. Unsere Nachbarn hatten einen Wechsel des Zimmers in Erwägung gezogen, davon aber Abstand genommen, nachdem sie uns diesbezüglich befragt hatten. Zum Glück ist unser Geruchsorgan so programmiert, dass es bei immer gleichen Informationen nach einer Weile abschaltet. Beim Abendessen konnten wir außer uns noch andere Reisende bemerken. Die Kellner waren aber doch eindeutig in der Überzahl.
Am nächsten Morgen begaben wir uns nach dem Frühstück aufs Wasser. Ganz zur Freude von Käpt'n Blaubär und Hein Blöd, die wieder in ihren Rucksack gesprungen waren. Dachten wir.
Der Kapitän des Motorbootes steuerte am Hafen San Martin vorbei auf den sogenannten Candelabro zu, das ist ein riesiges, in den Abhang eines Hügels gegrabenes Zeichen, nur von See aus zu betrachten. Man weiß weder wer es fabriziert hat, noch wann und warum. Was es darstellen soll, darüber ist man sich auch uneins: Ähnelt es mehr einem Kandelaberkaktus oder doch mehr drei Kreuzen. Einige Forscher vermuten seine Entstehung durch Piraten. Dem könnte ich zustimmen und denke dabei an zwei bestimmte! Aber das ist jetzt egal. Der Morgen war kalt und trübe und zum Fotografieren gänzlich ungeeignet, zumal das Boot nicht stille halten wollte. Wenn es wenigstens weiß angestrichen oder mit einer Lichterkette versehen wäre. Den Candelabro meine ich. Wir wollten weiter zu den Ballestra-Inseln, die ca. 18 km entfernt sind. Mit diesem Boot würde es eine Weile dauern und so machte jeder, der sich im vorderen Teil ein windgeschütztes Plätzchen gesichert hatte, alsbald die Augen zu und döste vor sich hin. Derweil die Leute im hinteren Teil die ungestörte Aussicht genossen, immer wieder das Spritzwasser von den Brillen wischten und die Perücken festhielten. Nachdem Hein Blöd mehrmals nachgefragt hatte, ob wir schon da sind, kamen wir irgendwann tatsächlich bei den Inseln an. Die See nahm Rücksicht auf uns Landratten und ließ uns die Ballestras-Inseln ruhig umschippern. Unter den Viechern waren die Seelöwen und Pelzrobben am auffälligsten. Wo sich auf den rauen Klippen für sie Platz bot, lagen einige von ihnen. Von den Kormoranen, Pelikanen, Inka-Schwalben und Humboldtpinguinen sahen wir leider nur wenige Exemplare. Die Guanotölpel waren etwas zahlenmäßiger anwesend. Diese Guanotölpel produzieren den überall begehrten Ökodünger, den sie seit Jahrtausenden ablagern. Stellenweise hatten sie die Inseln bis zu 30 Meter in die Höhe geschissen. Seit 300 v.Ch. ist der Abbau durch die Mochica-Kultur nachgewiesen. 18 km vor der Küste! Da werden die Ökoindianer wahrscheinlich auf dem Kandelaber die Kerzen angezündet haben, um wieder zurückzufinden. Heute ist der Guanoabbau staatlich geregelt, weil alle diese Kackefelsen wegen der Viecher unter Schutz stehen. Ich nahm das Fernrohr ans Auge und suchte die Felsen ab, konnte aber keinen Guano entdecken. "Wo ist denn nun der Guano?" fragte ich. "Auf deiner Jacke!" antwortete Jo. Aber auch er hatte seinen Teil abbekommen, was sich auf dem Gelb seiner Jacke besonders gut machte. Als wir entdeckten, dass der Käpt'n und Hein zaghaft ihre Nasen aus dem Sack gesteckt hatten, vermuteten wir, dass der Tölpelangriff nicht uns persönlich gegolten hatte, sondern zwei anderen, die sich lieber im Verborgenem aufhielten.
Für uns, die wir noch nichts Vergleichbares in freier Wildbahn gesehen hatten, war der Anblick der vielen Seelöwen schon was Besonderes, aber der Reiseleiter und der Bootsführer waren einhellig der Meinung, dass es enttäuschend sei. Deswegen fuhren wir 7 km weiter zu den Chincha-Inseln. Und was wir da zu sehen bekamen, war nun wirklich beeindruckend! So weit man sehen konnte, war auf dem breiten Strand keine einzige Stelle mehr frei, alles lag voller Seelöwen. Wo noch etwas Raum war, saßen schwarze Geier. Das Gebrülle war ohrenbetäubend. Und der Gestank die Nase betäubend, meinte Jo. Nachdem jeder einzelne Seelöwe Portrait gesessen hatte, ging es zurück zum Hotel. Auf dem Bootssteg krochen die beiden Kleinen aus ihrem Versteck, um frische Luft zu schnappen. Sie waren beide noch etwas schwankend. Im Wasser dümpelte ein Angelkahn, auf dessen Rand zwei Dutzend Pelikane saßen. Hier fragten wir die beiden, warum sie so scharf auf die Reise gewesen seien, wenn sie jetzt nur nachts aus dem Rucksack kämen. Zuerst druckste der Käpt'n nur ein wenig rum, doch dann erzählte er: "Das ist schon eine ganze Weile her, da waren wir mal am Südpol, Hein und ich. Da haben wir den Pinguinen Sommerferien unter dem Äquator verkauft. Drei Wochen, alles inklusive! Ruckzuck hatten wir das Schiff voll. Und dann, es ging den pazifistischen Ozean entlang, haben wir sie auf den Ballestra-Inseln abgeladen. Das Essen fanden sie gut, aber mit dem Wetter waren die wenigsten einverstanden. Na ja, ein paar Nörgler gibt es überall. Als sie dann aber zu meutern anfingen und ihr Geld zurück haben wollten, haben wir sie da sitzen lassen und sind abgehauen." "Und weil es hier so wenig Schnee gibt, rutschen die Pinguine Nacht für Nacht den Sandberg dort drüben runter", meinte Hein abschließend und deutete zum Candelabro rüber.
Am Nachmittag verließen wir Paracas, fuhren zurück bis Pisco, wo wir wieder auf die Panamericana stießen und auf ihr bis Ica fuhren. Aber nicht ohne in Pisco an einem winzigen Schnapsladen haltzumachen. Pisco ist nämlich die Hauptstadt des peruanischen Grappa, eines klaren Traubenschnapses, der so begehrt ist, dass er nur durch dicke Eisengitter verkauft wird. Wir blockierten den ganzen Bürgersteig. Die Größe der Gläser, aus denen wir den Pisco probieren durften, natürlich gegen Bezahlung, war dem Laden angemessen. Auch sie waren winzig, so winzig, dass man sie kaum halten konnte. Mir verursachte dieses Getränk beträchtliches Sodbrennen genau wie seine Verfeinerung, dem Pisco Sour, dem peruanischen Nationalgetränk, bestehend aus Pisco, frischem Zitronensaft, Bitter Lemon, einer gehörigen Portion Eiweiß und Zucker. Neben den vielen verschiedenen Piscosorten fiel mir ein unscheinbares Bild von unserem Käpt'n Blaubär auf, darunter eine kurze Inschrift. Das Erstaunte mich einigermaßen und ich fragte die Verkäuferin danach. Sie strahlte übers ganze Gesicht, nahm das Bild von der Wand und wischte den Staub davon ab. Dann begann sie zu erzählen. Leider war unser Reiseleiter schon wieder im Bus, der mir das Gelaber hätte deuten können. Ich winkte ihr zum Abschied zu und ging. Als wir mit dem Bus weiterfuhren, erzählte sie noch immer. Das Einzige, was ich rausgehört hatte, war: Pollo. Immer wieder Pollo! Während der Fahrt bat ich Käpt'n Blaubär um Aufklärung. "Die Sache war nämlich so", begann er etwas verlegen. "Nachdem das mit der Tourismusbranche schiefgegangen war, stieg ich in den Hühnermarkt ein. Huhn heißt auf spanisch Pollo und der Handel damit Polonaise. Ein Schwippschwager von mir war ein berühmter Gengladiator, der hatte eine neue Hochlandrasse erfunden, die wir hier eingeführt haben. Das Dumme an der ganzen Sache war nur, dass die Eier dieser Hühner kein Eigelb enthielten und die Viecher sich nach 42 Eiern das Leben nahmen. Aber seitdem gibt es Pisco Sour zu trinken und viel Hühnerfleisch zu essen."
So trocken wie die ganze Gegend sah auch das Museo regional von Ica aus. Die Sammlung von ausgebleichten Schädeln mit den verschiedensten Löchern drinnen, den Keramiken der Paracas-, Nasca- und Inka-Kulturen, den Quipus, rätselhaften Knotenschnüren, und zahlreichen Mumien war sehenswert. In den Schaukästen lagen auch viele sehr schöne Paracastextilien, bei deren Anblick unser einheimischer Reiseleiter so recht ins Schwärmen geriet. Er räufelte die meterlangen Tücher mit Worten auf und beschrieb jeden einzelnen Faden stundenlang. Ich hatte schon dicke Füße vom langen stehen. Plötzlich sprang Hein Blöd aus dem Rucksack und machte sich an den aufgehängten Quipus zu schaffen. "Da sind sie ja wieder, ich habe endlich meine Knoten wieder!" rief er freudig. Wir hatten große Mühe, ihn davon abzuhalten, alle Knotenschnüre von der Wand zu nehmen und größeres Aufsehen zu vermeiden. Immer wieder rief er, dass sie alle seine wären.
Es gibt in den peruanischen Museen erstaunlich viele Mumien zu sehen. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, denn bei der herrschenden Trockenheit setzt die Mumifizierung schon ein, sobald man die Augen schließt. Um Kosten zu sparen, beziehen viele Museen ihre Exponate direkt von der Straße. Auf der Weiterfahrt nach Nasca stoppten wir kurz am Flugfeld von Palpa, wo man für die Touristen im Garten hinter den Gebäuden einen halbwüchsigen Kondor namens Pedro angebunden hatte. Da keiner wusste, ob wir noch frei fliegende seiner Gattung zu Gesicht bekommen würden, könnten wir später wenigstens sagen, dass wir einen gesehen haben. Er machte aber keinen halb so anhänglichen Eindruck wie Gladdy, der kleine braun-schwarze Klammeraffe, der Joachim ins Herz geschlossen hatte. Sie waren beide ein Herz und eine Seele, keiner wollte sich vom anderen trennen. Der Grund dafür war offenbar der lange muskulöse Schwanz.
Weiter durch die Wüste bis Nasca und Einkehr nicht ins nächste Wirtshaus sondern ins nächste Museum. Wir befanden uns ja in der Pampa de Nasca, in der man 1939 die berühmten Nasca-Linien entdeckte, deren Erforschung sich Maria Reiche zeit ihres Lebens widmete. Der kleine Raum, in dem die Reiche Maria in bescheidenen Verhältnissen lebte und arbeitete, wurde in ein Museum umgewandelt, durch die man die Besucher führt, bevor sie zu einem Rundflug starten. An einer abseitigen unscheinbaren Tür stand die verblasste Inschrift "Top Secret!" Unbemerkt schlichen Jo und ich zu ihr und wagten einen kurzen Blick durchs Schlüsselloch. Uns stockte der Atem, wir trauten unseren Augen nicht! Auf einem Wandaltar saßen, ganz in Gold und mit geflochtenen Blütenkränzen um den Hals, Käpt'n Blaubär und Hein Blöd! Daneben standen brennende Kerzen und vor ihnen blökerte Weihrauch in einer Schale. Wie geschockt standen wir da, bis uns der Reiseleiter in den Bus rief.
Am Flugfeld von AERO CONDOR warteten wir auf unseren Viersitzer, der uns wie ein Kondor in die Lüfte tragen sollte. Obwohl mehrere Maschinen eingesetzt waren, dauerte das Spektakel eine beträchtliche Zeit, bis wir als die Vorletzten dran kamen. Es war wie gesagt eine viersitzige Propellermaschine und doch saßen wir zu fünft darin: der Pilot, daneben Friedhelm, hinten Jo und die beiden Kleinen. Da die gängige Begrüßung unter den Fluggästen: "Heute schon gekotzt?" lautete, war uns etwas blümerant zumute, als die kleine Maschine über die Startbahn hoppelte und abzuheben begann. Es stellte sich aber kein Würgen ein und so konnten wir alle den Flug voll auskosten. Und der war wirklich herrlich. Der Wal, das Triangel, der Kondor, der Kosmonaut, die Spinne, um nur einige der Figuren zu nennen, die als Linien in das Plateau gezeichnet waren, ließen sich bei der schon tief stehenden Sonne besonders gut erkennen. Noch besser waren allerdings die Reifenspuren der Motorräder und Jeeps zu sehen, die kreuz und quer über die Figuren verliefen. Sie waren von den Verrückten hinterlassen worden, die Erich von Däniken mit seiner absurden Idee hierher gelockt hatte. Unübersehbar waren auch die zahlreichen Löcher, die Grabräuber in die Ebene gebuddelt hatten. Nur Käpt'n Blaubär zeigte genau so wenig Interesse wie sein Leichtmatrose Hein Blöd. Wir waren gespannt auf seine Geschichte. Abends im Hotel Nazca Lines berichtete der Käpt'n dann, wie es dazu kam, dass die Leute dieser Region sie bis auf den heutigen Tag so verehren.
"Das war ja damals so. Als Hein und ich unseren alten Kahn das erste Mal zum Flugschiff umgerüstet hatten, waren wir hierher gekommen, um zu üben. Die Gegend war schön flach, nirgends was zum gegenfahren, und neugierige Leute gab es damals auch noch keine. Hein stand am Steuerrad und ich lag in der Hängematte und gab die Kommandos. Es wurde gekreuzt, dicht beim Wind gesegelt, über den Stag gegangen, gehalst, beigedreht und vollgebrasst, alles, was man so braucht. Hein hat das soweit ganz ordentlich bewerkstelligt, wenn der Blödbaddel nicht gleich zu Anfang hätte den Anker über Bord fallen lassen. Als ich die Sache gewahr wurde, war das Unglück schon geschehen. Noch bevor er ihn gänzlich einholen konnte, hatte ein kleiner Bub, der uns offenbar nachgelaufen war, ihn zweimal tüchtig an den Hinterkopf bekommen. Seit dem hatte der kleine Erich seine wilden Fantasien von UFOs und so'n Kram. Als wir uns dann von etwas weiter oben die Bescherung bekucken, war die ganze Gegend voller Schleifspuren von unserem Anker." "Und sie können ruhig zugeben, Käpt'n, wieso das so lustige Figuren im Sand geworden sind", protestierte Hein Blöd. "Weil es von der ganzen Gegend nicht eine Seekarte gab, bis heute nicht, hatte der Käpt'n nämlich den Kurs nach den alten Strickmustern seiner Großmutter bestimmt." "Und weil das später den Tourismus auf die Beine geholfen hat, lieben die Einheimischen uns noch heute", schloss der Käpt'n. "Und die Knotenschnüre im Museum sind tatsächlich Hein seine. Er ist doch so vergesslich und da sein Taschentuch für die vielen Knoten nicht reichte, hat er die halbe Takelage verknotet und die dann irgendwo liegen gelassen."
Am achten Tag fuhren wir durch dunkelgrüne Olivenplantagen weiter auf der Panamericana. In der trockenen Küstenwüste, die dann folgte, wogen die Wellenberge aus Sand bis zum dunstigen Horizont, das machte die Augen müde. Bei Lomas erreichen wir wieder die Küste des pazifistischen Ozeans. Es folgt eine bizarre Landschaft, in der sich das Land mit dem Meer im stetigen Kampf zu befinden scheint. Unablässig schlagen die Wogen auf den Küstenfels. Hoch oben schlängelt sich die Straße am Abgrund entlang oder schneidet in die Flanken riesiger Dünen, die in den vergangenen Jahrtausenden versteinert sind. Hin und wieder sahen wir Kakteen und immer wieder ganze LKW-Ladungen von ausgeblichenen Muschelschalen und Schneckenhäuser, die neben der Straße entsorgt wurden. Hier ist das Leben nur als Tourist zu ertragen, darum sind fast alle Siedlungsversuche fehlgeschlagen. Bei Camana stießen wir nach 220 km auf die Flussoase des Colca, den wir später noch einmal in anderer Umgebung sehen sollten. Die Straße wendet sich vom Meer ab und nimmt landeinwärts Kurs auf Arequipa, wo das Hotel Libertador schon auf uns wartete.
Tag neun unserer Tour: Einst spuckte der Volcan Misti (5822 m) mit viel Getöse riesige Mengen Asche über das Land aus. Nachdem die sich im Laufe der Zeit zu weißem Tuffstein verfestigt hatte, wurde daraus die Stadt Arequipa gebaut, die zu den schönsten Kolonialstädten Perus zählt. Sie liegt auf 2380 Meter und hat ein angenehmes Klima. Wir besuchten das 400 Jahre alte Nonnenkloster Monasterio de Santa Catalina. Beim Durchschreiten der Eingangspforte verließen wir die Gegenwart und betraten wie in einer Zeitreise das Mittelalter. Ein Teil der 20000 m² großen Anlage ist noch immer von ca. 20 Nonnen bewohnt, ein anderer ist für Besucher zugänglich. Bis zu 500 Frauen, die Nonnen und ihre Sklavinnen, lebten einst in dieser ummauerten Stadt mit ihren Gassen, die eigene Straßennamen haben, Plätzen und Arkaden. Jede Nonne bewohnte ein eigenes zweistöckiges Haus mit mehreren Zimmern für sich und ihre Sklavinnen. Neben der großen Gemeinschaftsküche besaß jedes Haus auch eine eigene kleine Küche samt den nötigen Zuchtkäfigen für die beliebten Meerschweinchen, die zu festlichen Anlässen auf den Tisch kamen. Die Sklavinnen versorgten nicht nur diesen fürstlich eingerichteten Haushalt, sondern halfen auch den Nonnen bei der Einhaltung des Keuschheitsgebotes. Der Käpt'n verriet uns mit einem Augenzwinkern, dass es auch Kloster gab, in denen jeder Mönch seine eigenen jungen Sklaven zur Verfügung hatte! Auf einem der Dächer in der Sonne sitzend, blickten wir auf das schneebedeckte Haupt des Misti und genossen die unendliche Ruhe. Mitunter muss man allerdings eine Nonne dabei beobachten, wie sie auf einem der anderen Dächer ihre Unterwäsche zum Trocknen auf die Leine hängt. Ich faltete die Eintrittskarte auseinander, auf deren Rückseite der Plan von Santa Catalina abgedruckt ist. Er sieht aus wie das Labyrinth von Knossos.
Noch am selben Tag fuhren wir über eine karge Hochebene, vorbei an vereinzelten Kiunias, in immer höhere Regionen hinauf. Die Luft wurde immer kälter und dünner. Bei den wenigen Stopps, denn wir wollen noch bei Tageslicht Chivay erreichen, mussten wir eine warme Jacke anziehen. Auf der trockenen Piste zog der Bus eine gigantische Staubfahne hinter sich her. Schneebedeckte Gipfel bilden den Horizont. Wir passierten einen kleinen gefrorenen Wasserfall. Dann erreichten wir eine Passhöhe: 4832 Meter über dem Meeresspiegel. Behutsam stiegen wir aus dem Bus, jede Anstrengung vermeidend. Manche Reisegäste waren aber drinnen geblieben. Ihnen machte die Höhe zu schaffen. Sie kauten Kokablätter, um damit fertig zu werden, aber die schmecken scheußlich. Für Extremfälle steht in jedem Touristenbus eine Flasche Sauerstoff bereit. Ich kam mit der Höhe ganz gut zu recht, besser jedenfalls als Joachim, ein bisschen Nasenbluten beim Schnauben, das war alles. Mir fiel es relativ leicht, mich der Höhe anzupassen, denn ich bin von Natur aus langsam. Eigentlich hätten die Spanier hier von alleine aussterben müssen, wo doch in diesen Höhen schon allein der Gedanke an Sex tödlich sein kann. Aber denen half die Gier nach Gold, ein weit wirksameres Mittel als Kokablätter. Wir standen an einer der vielen Steinpyramiden, die hier oben von den Indianern und anderen Reisenden seit Jahrhunderten in großer Zahl errichtet worden sind und froren in der tief liegenden Sonne. Die Augen taten uns weh vom vielen kucken und die Lippen waren so trocken und rissig, dass wir mit geschlossenem Mund trotzdem genügend Luft bekamen. Die wenigen Stufen in den Bus hinein fielen mir aber doch schwerer als erwartet, ließ mir aber nichts anmerken. Joachim ist seit dem mit mir einer Meinung, dass Nepal nicht mehr zur Debatte steht! In verhaltenem Tempo ging es auf der anderen Seite eine sich hin- und herwindenden Piste wieder hinunter. In der Nähe einer kleinen Quelle hatten zwei alte Frauen aus blauer Kunststofffolie notdürftig ein Zelt aufgeschlagen. Davor waren ein paar Säcke Kartoffeln auf dem Boden ausgebreitet. Sie sollten in den Nächten gefriertrocknen. Die Kartoffeln! Als wir anhielten und der Reiseleiter ausstieg, um ihnen eine Kleinigkeit zu schenken, verkrochen sich die Frauen. Bei Sibayo trafen wir ein zweites Mal auf den Colcafluß. Bis Chivay, unserem Ziel, war es nun nicht mehr so weit. Im Hotel Rumillacta, auf 3633 Meter gelegen, gab es Alpaka zum Abendbrot, ein wärmendes Feuer am Kamin und für jeden eine zusätzliche Decke und eine heiße Wärmflasche für die Nacht. Die rustikalen Bungalows sehen bei Tage im Sonnenlicht sehr gemütlich aus, muss man aber darin übernachten, bekommt man vor Kälte lange Zeit kein Auge zu. Mit Pudel und Schal lagen wir unter den Decken und schoben die Wärmflasche hin und her. Die halbe Nacht musste ich an die beiden armen alten Frauen dort oben in den Bergen unter ihrer blauen Plastikfolie denken. Auch das Pullern verkniff ich mir so lange, bis es wehtat, aus Angst vor dem Festfrieren auf der kalten Toilettenbrille. Wie froh waren wir, als wir in aller Herrgottsfrühe geweckt wurden, uns die fast steif gefrorenen Klamotten anziehen durften und zum Frühstück, was Warmes in den Bauch bekamen. Danach ging es mit dem Bus erst einmal zum Plaza de Armas, wo sich einige Frauen und ihre Kinder, Lamas und Guanakos eingefunden hatten. Es hatte sich herumgesprochen, dass Touristen im Ort sind. Denen wollten sie sich in ihrer alten Verkleidung als Fotomodell darbieten. Was der Deutsche ja überall sehr gerne annimmt, ohne dann dafür zu bezahlen. Auf einem abenteuerlichen Weg schlängelte sich der Bus an den Schluchten des Cañon de Colca entlang, eine der größten Touristenattraktionen Südperus. Seine durchschnittliche Tiefe beträgt 900 Meter. Die Hänge sind meistens terrassiert. Von jedem Punkt aus bietet sich ein fantastischer Ausblick. Wir fuhren bis zum Cruz del Condor weiter, wo uns die Aussicht den Atem verschlug. Wir waren erstaunt, hier so viele Menschen anzutreffen. Alle starrten sie über die Klippen und schienen auf irgendetwas zu warten. Manche wagten sich bedrohlich weit vor. Und dann plötzlich ein Aufschrei! Keine Angst, es war niemand in die Tiefe gestürzt. Die ersten Kondore ließen sich von den Aufwinden in die Höhe tragen. Insgesamt wurden 13 Vögel gezählt. Wir hielten uns etwas abseits von unserer Gruppe, setzten uns und holten Hein und den Käpt'n aus dem Rucksack, damit auch sie die grandiose Aussicht und die berauschende Atmosphäre genießen konnten, denn hier waren sie noch nicht.
Obwohl die Sonne inzwischen schon ziemlich hoch stand, war es kalt. Wie gut, dass wir uns warm angezogen hatten. Am Rande des Cañons segelten vereinzelte Kondore vor den blassblauen Bergen im Hintergrund. Nach einer halben Stunde machten wir uns wieder auf den Rückweg. Wir wollten noch am selben Tag zurück nach Arequipa, aber vorher noch in Chivay Mittag essen. Es blieb aber noch genug Zeit für mehrere Fotostopps. Ein frischer Wind wehte über die sonnigen Hänge des Colcatales. Unermesslich ist die Arbeit ganzer Generationen, die diese Hänge einst in fruchtbare Terrassen umgeformt hatten. Heute liegen sie größtenteils brach: Sitzreihen in einem riesigen Amphitheater, über denen die Wolkenschatten huschen. In Chivay angekommen hielten wir vor der Schule. Eine große Menschenmenge war zusammengelaufen. Den Eingang der Schule bewachten zwei bewaffnete Polizisten. Es war Wahltag. Viele unserer Reisegruppe folgen der Einladung des einheimischen Reiseleiters, das Wahlbüro zu besichtigen. Ich blieb lieber im Bus, da ich hier sowieso nicht wahlberechtigt war und weil ich mich nicht in die inneren Angelegenheiten Perus einmischen wollte. Ich beobachtete die Leute, die abgestempelt das Wahlbüro verließen. Ob sich ihre Hoffnungen erfüllen würden? Die Leute hatten sich für diesen Tag herausgeputzt. Viele Frauen waren darunter, ein Kind auf dem Arm und eines auf dem Rücken, mit Blumen auf dem Hut. Die Blumen auf dem Hut bedeuten, dass sie noch zu haben ist. Welche Bedeutung das Kind auf dem Rücken hat, weiß ich nicht.
In Arequipa bummelten wir am Abend durch die Stadt, wobei wir in ein halb dunkles Viertel gerieten, wo sich an jeder Ecke ein Betrunkener ausgepisst hat. Wie vorher schon, fielen uns auch in Arequipa die vielen Internetcafés auf, in denen viele Jugendliche vor den Bildschirmen sitzen. In Deutschland tut man sich noch immer ziemlich schwer damit. Als wir ins Hotel zurückkamen, waren unsere Betten für die Nacht vorbereitet. Auf ihnen lag das übliche Kärtchen mit dem Gutenachtgruß. Nicht schlecht kuckten wir aber, als wir unsere beiden kleinen Mitreisenden zugedeckt auf einem Kopfkissen vorfanden. Wahrscheinlich hatten sich die beide während unserer Abwesenheit mit dem Zimmermädchen angefreundet.
Am nächsten Morgen hatten wir nach dem Frühstück im Hotelgarten einen Fototermin mit Juanita. Sie wartete bereits im hinteren Teil des Gartens und war gerade dabei, einen kleinen Imbiss zu sich zu nehmen. Juanita ist nicht sehr hoch, man muss sich schon zu ihr hinunter beugen, wenn man was von ihr will, dafür hat sie aber einen ziemlich weiten Umfang. Wir sind auf dem Gebiet nicht geschult genug, um von ihrem Äußeren Rückschlüsse auf ihr Alter zu ziehen. Ihr wabbeliger Hals deutete einen leichten Hang zur Verfettung an. Während sie sich gemächlich einen gelben Kürbis reinschob, hockt sich Jo neben sie, legt feinfühlig seine Hand auf ihren riesigen Panzer und ließ sich mit ihr zusammen ablichten. Als wir sie nach einer Weile verließen, war uns durchaus nicht klar, ob sie uns überhaupt wahrgenommen hatte.
Als endlich auch der letzte Passagier seinen Sitz gefunden und sich angeschnallt hatte, hob der Flieger von der Piste ab und schwebt wie ein größerer Kondor in enger Kurve um das Haupt des verschneiten Misti. Wir erhielten eine Vorstellung davon, was für ein schönes Gefühl es sein müsste, mit einem Flieger einen schneebedeckten Vulkan zu rammen. Die Maschine legte sich in eine derart enge Kurve um dessen Krater, dass nicht viel gefehlt hätte und wir wären ins Loch gefallen. Wir konnten uns das schelmische Grinsen des Piloten vorstellen, mit dem er dem Kraterrand immer dichter kam, als wolle er mit den Flügelspitzen den Schnee fortfegen oder aufsammeln und bis nach Juliaca am Titicacasee mitnehmen, von wo aus wir mit dem Bus weiter bis nach Puno wollten. Der Flug dauerte nicht lange und bald saßen wir wieder in einem kleinen Bus, nachdem wir den Belagerungsring aus Pullover, Decken, Pudel und Taschen, überwunden hatten.
Ungefähr auf der halben Strecke nach Puno liegt ein See namens Umayo. Dorthin machten wir einen kleinen Abstecher. Wir besuchten die Halbinsel, die in diesen See hineinragt und auf der die Colla-Kultur sehr eigenwillige Grabtürme errichtet hatte. Diese runden Türme sind bis 12 m hoch und an ihrer Basis enger als oben. Über das Alter dieser Konstruktionen ist man sich bis heute uneins. Auf alle Fälle sind sie nicht jünger als 550 Jahre. In ihnen wohnen noch immer die Geister großer Häuptlinge und kleine, Menschen fressende wilde Meerschweinchen. Während Joachim auf einem abgestürzten Steinquader verschnaufte, hinter sich einen weiteren vermeintlichen UFO-Landeplatz, folgte ich vorsichtig den verwehten Trapsen des kleinen E.v.D., immer darauf bedacht, der Höhenkrankheit keine Chance zu geben, denn wir sind immer noch mindestens 3860 m hoch.
Nach dem Einchecken im Hotel Liberator Isla Esteves, etwas außerhalb von Puno und direkt am Titicacasee gelegen, stiegen wir die vielen Stufen zum Bootsanleger hinunter, wieder ganz vorsichtig und bedächtig, und fuhren in der späten Sonne auf den See hinaus zu den Schilfinseln der Uros. Schon auf dem Weg dorthin begegneten wir mehreren kleinen Schweinen, die auf einer winzigen Schilfinsel herumtrampelnd die vorbeifahrenden Touristen begrüßten. Mit dem Motorboot ist es nicht weit bis zu den schwimmenden Inseln. Wir betraten zwei davon, was ein bisher unbekanntes Gefühl in uns auslöste. Der Boden gab bei jedem Schritt schwankend nach. Man durfte sich sicher fühlen und hatte trotzdem Angst, jeden Moment ins Grundlose zu versinken. Die tief stehende Sonne blendete und es wurde bedrohlich kühl. Die hier lebenden Menschen waren dazu angehalten, freundlich zu uns zu sein und uns Einlass in ihre Schilfhütten zu gewähren, in denen es immer feuchtkalt und muffig ist. Auf einigen Dächern befanden sich Sonnenkollektoren. Die Kinder, sämtlich barfüßig mit Rotznase, waren angenehm zurückhaltend. Ist es gut, das sie für uns ihre Gesundheit aufs Spiel setzen? Aber irgendwo an Land hätten wir sie bestimmt nicht besucht. Die meisten von uns stiegen in eines der vielen breiten Schilfboote ein. Der hochgezogene Bug endet in eine Art Galionsfigur: Der Kopf eines katzenähnlichen Wesens mit breit geöffnetem Maul, als wolle es die untergehende Sonne fressen. Im Heck stand der rotgesichtige Rudermann und lachte. Wir schaukelten, vor Kälte zitternd, über den See zur nächsten Insel, unserem Motorboot entgegen. Auf dem Motorboot suchten wir die Nähe des Anderen, um uns gegenseitig aufzuwärmen. Vom Hotel aus sahen wir gerade noch, wie die Sonne hinter den Bergen, die den See umrunden, wie flüssiges Gold versickert.
Als wir am Morgen des 12. Tages nach dem Frühstück die Hotelhalle betraten, hingen schon die ersten Leute an den Sauerstoffflaschen und verpassten sich die erste Dröhnung. Wir verließen das Hotel durch die Bar und stiegen eine kleine Anhöhe hinauf, um auch Hein und dem Käpt'n einen Überblick über den Titicacasee zu verschaffen. Fröhlich hockten die beiden in ihrem Rucksack und schauten über das strahlende Blau des Wassers, das von samtgrünen Bändern durchzogen war. Die sanft geschwungenen Hügelketten sehen um diese Jahreszeit verdorrt und trostlos aus, genau wie Puno, auf das wir blicken. Der See selber sieht höchst gewöhnlich aus und hatte für uns so gar nichts mystisches. Weder schimmerte uns das Gold der Inkas entgegen, als wir über den Bootsrand kuckten, noch entdeckten wir eine von diesen sagenhaften Riesenkröten, die hier ihr Unwesen treiben sollen.
Obwohl man hier trotzdem noch verweilen könnte, selbst der Käpt'n und Hein wollten noch nicht gehen, wurde es Zeit für den Bus. Mit ihm, statt des programmmäßigen Zuges, fuhren wir an diesem Tag nach Cusco. Mir war es einerlei, die Straße verläuft ohnehin neben den Gleisen, worin mir die Augen zufallen würden, ob im Zug oder im Bus. Während der kurzen Fahrt vom Hotel nach Puno rein bewunderten wir das raffiniert ausgeklügelte Ackerbausystem der alten Inkas. Es gab keine großen Felder. Die Pflanzen wurden auf hoch gelegenen Beeten angebaut, die statt von Wegen mit Kanälen umgeben waren. Das Wasser darin schuf ein Mikroklima, welches ein Erfrieren der Pflanzen verhinderte. Viele dieser Anlagen sind inzwischen verfallen, aber einige werden noch immer benutzt. In Puno hielten wir in Marktnähe, wo sich die Reisenden mit Obst und Wasser versorgen sollten, während ein Polizist auf unseren Bus aufpasste. Nachdem ich mir nur ganz kurz die Beine vertreten hatte, stieg ich wieder ein und beobachtete eine ältere Matrone, die auf dem Bürgersteig der anderen Straßenseite in ihrem eigenen Schatten stand und zusammen mit anderen Leuten nach dem Linienbus Ausschau hielt. Sie hatte sich warm angezogen und genoss die Sonnenstrahlen. In der linken Hand trug sie eine dunkle leere Tasche, die rechte ist in die Seite gestemmt. Über einem schwarz-rot kariertem Kleid prangte eine üppige graue Kittelschürze, wie ich sie von meiner Oma kannte, darüber hatte sie sich ein doppeltes wollenes Tuch geworfen, in verschiedenen Grautönen kariert und mit lange Fransen. Dicke braune Wollstrümpfe bewahrten sie vor der schleichenden Fußkälte. Die schwarzen Halbschuhe sahen eher zierlich aus. Ein breitkrempiger brauner Filzhut mit kariertem Band beschattete ihre Augen. Hinter ihr geschlossene braune Fensterläden. Davor ein kunstvoll geschmiedetes Gitter. Verrostet.
Wir fuhren über eine goldene Grasebene. An den Berghängen weideten die Schatten tief hängender Wolken. Und noch während uns der Reiseleiter von den Vorteilen einer Busfahrt gegenüber einer Fahrt mit dem Zug zu überzeugen versuchte, bog der Bus in eine Seitenstraße ein und gab hektische Hupsignale von sich, die uns bis zu einem Bauernhof vorauseilten. Dort verschwanden daraufhin die Kaffeemaschine, der Mixer, der Wasserkocher, die Mikrowelle, der Kühlschrank, die Waschmaschine usw. unterm Bett. Als alles verstaut war, trafen auch wir dort ein.
Um einen kleinen Hof herum stehen mehrere kleine grasgedeckte Hütten aus Adobeziegeln. Hier wurden wir mit dampfenden Pellkartoffeln begrüßt, die so klein waren wie große Glasmurmeln. Dazu wurde ein Schälchen mit Modderpampe gereicht. Da uns der Reiseleiter bestens darauf vorbereitet hatte, hielt sich das Entsetzen darüber in Grenzen. Man esse diese an wichtigen Mineralien und Spurenelementen reiche Erde von Gesundheitswegen. Genau aus diesem Grund hatte ich darauf verzichtet. (Später hatte ich dann zu Hause versucht, auf diese Tradition zurückzugreifen und ein Töpfchen Lehm aus dem Reformhaus besorgt, aber bei unseren Besuchern nur mäßigen Erfolg damit geerntet.) Die offenen Seiten des Hofes sind mit Bruchsteinmauern eingefriedet. Hier befanden sich ein kleiner frei stehender Backofen samt Mahlstein und ein Webrahmen mit einer angefangenen Arbeit. Die Bäuerin, glücklich darüber, alle ihre Pellkartoffeln an uns verkauft zu haben, winkte uns ins linke Häuschen. Der Fußboden, die Wände, das Bettuntergestell und ein Sockel, der als Tisch dient, alles aus Lehm. An den Wänden hingen verschiedene gebrauchte Kleidungsstücke, mehrere bunte Urkunden im Querformat und ein runder grauer Hut. In den vielen Wandnischen standen meist paarweise langhörnige Rinder aus Terrakotta, genau wie sie auf den Dachfirsten zu sehen sind. Sie sollen das Gute anziehen und das Böse abwenden. Wo sind wir da einzuordnen? Ich betrachtete das sicher harte Bett, auf dem mehrere Schichten Wolldecken lagen. Bunt und hübsch gewebt. Ich dachte sofort an unsere Nacht in Chivay und mir lief es kalt den Rücken runter. Die Frau bemerkte mein Interesse, setzte sich auf die Bettkante und schlug ein paar Decken zurück. Nein, nein, es war keine Einladung. Sie wollte mir nur noch das dicke Lama- oder Schaffell zeigen, das unter den Decken zum Vorschein kam, als hätte sie meine Gedanken erraten. Eine Kaffeemaschine kam nicht zum Vorschein.
Wie, fragten wir uns nach dem Verlassen des Hofes, wäre der Zug hierher ge-kommen?
Fort ging es durch diese weite, goldene Ödnis, bis wir wieder einen Pass erreichten: Abra La Raya, 4312 m. Wir machten Halt, denn neben der Straße wurden gewebte Textilien angeboten. Unterhalb des Passes gibt es eine Therme, wo wir unser Lunchpaket eröffneten. Einen Teil davon verputzen wir selber, der andere wurde verteilt. Je nach Gesinnung an die herumstreunenden Hunde oder Kinder. Danach betrachteten Jo und ich die Thermalwasserbassins, wo wir nur ganz knapp ein erotisches Erlebnis verfehlten. Um uns herum eine großartige Kulisse. Das Gold der Hochebene geht in sanften Schwüngen und Wellen in bräunliches Ocker über, um dann in harten bläulichen Fels, zum Teil mit schneebedeckten Häuptern, hoch oben in klarer Luft zu enden. Ziehende Wolkenschatten machten alles lebendig. Bevor wir in den Bus einstiegen, erwarb Jo von einer der fliegenden Händlerinnen ein Paar flauschige Hausschuhe aus Babyalpakafell, die sich später zu Hause als sehr unpraktisch und leider nicht so wärmend wie angepriesen erwiesen.
Danach geht es mal mehr, mal weniger bergab, denn Cusco, unser Ziel, wird genau 1000 Meter tiefer liegen. Nach 70 km Luftlinie stießen wir bei Combapata das erste Mal auf den Rio Urubamba, der dem heiliger Tal der Inkas seinen Namen gab. 60 km lang begleitete er uns. In einem Ort namens Andahuaylillas machten wir vor der Jesuitenkirche aus dem 17. Jh. erneut Halt, um uns die Beine zu vertreten und den Rauchern Gelegenheit zu geben, sich zu erholen. Die Kirche soll im Innern bemerkenswerte Wandmalereien aufweisen. Da sie verschlossen war, können wir das nicht bestätigen. Während andere Mitreisende den Ausblick über den Ort genossen oder sich einen Platz weiter weg suchten, verschwand ich in einer Nische der rechten Außenmauer der Kirche, um ein wenig Wasser zu lassen. Die Wandmalereien, die ich dort entdeckte, waren zwar künstlerisch weniger wertvoll, aber dafür wesentlich aufschlussreicher.
Kurz darauf erreicht die Straße das "Tor der Inkas", die Ruinen mächtiger Steinmauern, die einst als Kontrollstation den Zugang nach Cusco sicherten. Während der verbleibenden 30 km bis nach Cusco sind neben der Straße noch häufiger irgendwelche Steinsetzungen und alte Terrassenbauten der Inkas zu sehen. Für das schöne Tal, an dessem Grunde sich ein rauschender Fluss seinen Weg sucht, hatten wir kein Auge übrig. Wir brachten Kurve um Kurve und etliche Straßenbaustellen hinter uns, bevor wir dann endlich nach Cusco rein fuhren. Qosqo - Nabel der Welt. Als Pizarro vor rund 500 Jahren hier einmarschierte, lebten in Qosqo sage und schreibe 200.000 Menschen! Heute sind es nur 100.000 mehr. Im Gegensatz zu Pizarro und seinen Mannen kamen wir mit friedlichen Absichten, und weil auch an der Hauptstraße gebaut wurde, auf halsbrecherischen Umleitungen in die Stadt. Unsere Erwartungen waren hoch, die ersten Eindrücke bescheiden. Die besserten sich, als wir endlich wieder auf die Hauptstraße, die Ave. El Sol, einbogen und ins Zentrum fuhren. Die Avenida hat einen breiten Mittelstreifen, der als parkähnlicher Fußgängerbereich gestaltet ist. Im Vorbeifahren fielen mir viele wunderschöne Großplastiken aus Bronze ins Auge, die ich leider kein zweites Mal zu sehen bekam. Darunter eine kleine Lamaherde in Lebensgröße. In unserem Reiseführer fand ich nichts dazu. In der Ave. San Augustin 400 beziehen wir im Hotel Libertador Cusco Quartier. Es war Pizarros bescheidene Hütte, die er auf Inkamauern hatte errichten lassen. Von unserem Balkon aus konnten wir einen Großteil der Stadt überblicken, die wie Rom auf mehreren Hügeln erbaut wurde. Auch Hein und der Käpt'n zeigten sich sehr beeindruckt und konnten sich genau so wenig wie wir der über alles schwebenden Aura der alten Inkas entziehen. An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken. Der besoffene Geist Pizarros saß mit denen seiner Widersacher Diego de Almagro und Manco Inca einträchtig beim Würfeln, wobei sie lärmend ihren Becher auf den schweren Holztisch schlugen.
Der 13. Tag brach an. Heute würden wir die Stadt und ihre nähere Umgebung erkunden. Zunächst fuhren wir durch verwinkelte Gassen auf einen Hügel hinauf, von dem aus ganz Cusco zu überblicken ist. Als rotes Ziegelmeer leuchtete es in der Sonne. Das große Loch im Rot ist die Plaza de Armas, die zu Inkas Zeiten noch nicht so hieß, aber doppelt so groß war. Ein Platz des himmlischen Friedens in den Anden. Wir wandten der Stadt den Rücken zu und erblickten auf kargen braunen Äckern mindestens neun herrenlose Reitpferde, die den Kopf senkten und so taten, als fänden sie etwas Fressbares. Noch weiter dahinter erhebt sich auf einer bewaldeten Bergkuppe eine riesige weiße Christusfigur, die wie über Rio die Arme ausbreitet, auf Cusco herniederblickt und laut ausruft: "Sehet auf, Leute von Cusco, ihr habt liebe Gäste unter euch! Hein Blöd und Käpt'n Blaubär sind zu euch gekommen!" Wir ließen den weißen Christus Christus sein, denn wir trauten ihm nicht und betrachteten lieber wieder die Pferde, die doch nicht ganz herrenlos waren. Alles Gigantische ist immer auch Angst einflößend. Und außerdem: wozu hatte er die drei leeren Kreuze aus Golgatha hinter sich aufgestellt?
Zu Fuß gingen wir die kurze Strecke bis zu einem Inka-Heiligtum. Die Stätte war aus einem einzigen Kalksteinfelsen herausgemeißelt und nennt sich Qenko. Die Anlage ist wenig spektakulär, aber es gibt eingemeißelte Zickzacklinien zu bewundern. Es gibt Grotten und viele Löcher im Fels, was die Sache kreuzgefährlich macht. Während die anderen gespannt den Ausführungen der Reiseleiterin lauschten, suchte ich nach Spuren von E.v.D.
Als ich in den Bus einsteigen wollte, bedrängte mich eine junge Einheimische. Ich gab ihrem Werben nach und kaufte ihr einen hübschen Lederhut ab, unter dem ich fortan heftig schwitzte und der bei jedem Windstoß zu entschwinden versuchte.
Es folgte die Besichtigung der Ruinen der ehemaligen Inka-Festung Sacsayhuaman. Und die sind wirklich beeindruckend! Leider hatten auch hier die Spanier ganze Arbeit geleistet, indem sie aus der Festung einen Steinbruch machten. Aber das, was noch zu sehen ist, ließ uns staunen. In der großen Zickzackmauer sind Steine verbaut, die mehr als dreimal höher sind als ich und bis zu 125 t wiegen. Wie haben die Menschen das damals gemacht? Wenn es denn Menschen waren! Der Käpt'n ist da nämlich anderer Ansicht. Er meinte, dazu seien "Bärenkräfte" vonnöten. Na ja, wenn man ihn recht betrachtet, könnte man ihm ein wenig glauben. Fast hätte er uns einen Vortrag über das Bearbeiten von Felsgestein gehalten, sich dann aber doch damit begnügt, sich und Hein vor den größten Steinblöcken fotografieren zu lassen. Davor wirkte er eher unscheinbar. In dieser Festung sollen einst 5000 Inka-Soldaten stationiert gewesen sein. Aber sie richteten nichts aus, als 1536 Manco Inka den Aufstand gegen Pizarro anzettelte. Heute setzen die Touristen das Werk der Spanier fort.
Wir fuhren zurück ins Zentrum, wo wir einen kleinen Rundgang machten. Auf Schritt und Tritt stießen wir hier auf die Zeugnisse der Baukunst der Inkas. Zum Teil waren die alten Mauern überbaut worden und erst nach und nach wieder zum Vorschein gekommen oder sichtbar in die darauf gesetzten Gebäude integriert. Wobei sich die alten Inkamauern als sehr erdbebensicher bewährt haben, die Kolonialbauten leider nicht. Überall sind noch die Schäden des letzten großen Bebens zu erkennen.
Am Nachmittag klapperten Jo und ich alleine noch einige Museen ab. Überall zeigten wir brav unser Touristenticket vor, das im Reisepreis inbegriffen war. Dann liefen wir noch zweimal die Kolonnaden des Plaza de Armas ab und ließen uns schließlich erschöpft, aber mit uns zufrieden, auf einer Bank fallen. Uns wurde aber schnell kalt und darum gingen wir zum Abendessen ins Hotel. Als wir danach in unser Zimmer kamen, hatten sich der Käpt'n und Hein inzwischen schon wieder vom Zimmermädchen ins Bett bringen lassen. Diese beiden Schlingel! Wir krochen auch hinein und wünschten beiden eine gute Nacht. Der Käpt'n wollte aber noch wach bleiben. Er habe noch mit Pizarro ein Hühnchen zu rupfen, meinte er.
Tag 14 unserer Rundreise. Mit einem guten Frühstück im Bauch stiegen wir frierend in den kalten Bus, der uns zunächst nach Puna Pucara bringen sollte. Auch eine kaputte Inka-Festung. Noch weniger Mauern, aber aus wesentlich handlicheren Steinen, was uns veranlasste, uns nicht weiter als 10 Meter vom Bus zu entfernen. Statt der Ruinen fotografierten wir die bunten Auslagen der Straßenhändler. Nächste Station: Tambo Machay. Hier ist wieder mehr zu sehen. Also was für Touristen. Gemauerte Terrassen, Wände mit trapezförmigen Nischen, Treppen, Wasser, das in Rinnen von einem Becken ins nächste plätschert. Wir liefen ein bisschen umher, suchen uns einen Platz zum Pullern, fotografierten, standen rum und stiegen wieder in den Bus, weil es noch immer kalt war. Einige Forscher sagen, das hier war ein Heiligtum; andere sagen, es war auch Jagdschloss; wieder andere, hier wurden Kinder geopfert. Sie sind sich in nichts einig. Wir wollten den Käpt'n danach befragen, aber der saß in seinem Rucksack und schlief.
Bevor wir gänzlich nach Pisac ins Urubambatal hinunterfuhren der nächste Fotostopp. Da lag es nun unter uns: El Valle Sagrado - das "heilige Tal" der Inkas. Flankiert von terrassierten Berghängen fließt der Urubamba am Rande des fruchtbaren Tales dahin. Von hier oben sind ganz genau die Grenzen der einzelnen Felder auszumachen, die Wege, an denen Bäume stehen, die Straßen und Häuser des Ortes, und die bunten Stoffbahnen, die sich auf dem Markt über die jeweiligen Stände spannen. Ein hübscher Junge im blauen Trainingsanzug folgte uns, leider nur um uns irgendwelche Halsketten zu verkaufen. Obwohl er sehr gewinnend lächeln konnte, kauften wir ihm nichts ab.
Wir tuckerten weiter, hielten nicht in Pisac, um auf den Markt zu gehen. Das taten wir erst auf der Rückfahrt. Der Bus schaukelte sich neben dem Urubamba dahin, dann durch einen kleinen Ort gleichen Namens, bis Ollantaytambo, wohin sich Manco Inka nach seinem verpfuschten Aufstand geflüchtet hatte. Über einer kleinen Inkasiedlung, die noch sehr gut erhalten ist, schmiegt sich die wehrhafte Festung terrassenförmig an die steilen Felswände. Schwindelerregende Stufen führen nach oben, die mich sofort an die Mayabauten in Mexiko denken ließen. Ich machte ein breites Kreuz, hielt den Hut fest und ließ mich vom Sturm nach oben schieben. Sieben rosafarbene Granitblöcke von je 50 Tonnen bilden das Fundament des unvollendet gebliebenen Sonnentempels in luftiger Höhe. Diese Blöcke hatten die Baumeister aus einer Bergspitze auf der anderen Talseite herausgebrochen. Die einzelnen Terrassen wurden sehr solide angelegt, sie stehen noch immer wie eine Eins. Alle sind mit eingelassenen Trittsteinen versehen, um von einer Terrassenstufe zur nächsten zu gelangen, und mit Erde aufgefüllt, als habe man Mais, Melonen oder englischen Rasen angesät. Der ganze Anlagenkomplex ist leider nicht fertig geworden. Vielleicht sollten wir später noch einmal wiederkommen.
Zu Mittag aßen wir in einer liebevoll restaurierten Finca, die als Hotel zum Libertador gehört. Das Buffet war im Garten vor einer malerischen Bergsilhouette angerichtet. Die Auswahl war reichhaltig und schmeckte wie immer hervorragend. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass wir zu keiner Zeit wegen des Essens irgendwelche Probleme hatten, ganz egal, ob es Lehm oder Fleisch gab.
Wir verließen das Tal auf einem anderen Weg und hatten während der Fahrt wieder Gelegenheit, die wunderschöne Landschaft Perus zu bestaunen. Berge, die aussehen wie wellige Hügel, dazwischen das Schachbrettmuster der Felder. Schneebedeckte Gipfel, die alles überragen und auf denen noch immer die alten Götter der Inkas thronen. Immer werden uns die übermenschlichen Leistungen der Bauern in Erinnerung bleiben, die noch in Höhen ihre Terrassen bewirtschaften, in denen uns längst die Luft wegbleibt.
In Cusco neigte sich wieder ein Tag seinem Ende zu. Wir gingen hinter dem Hotel in eine kleine, aber freundliche Pizzeria. Noch waren wir die einzigen Gäste und hofften, dass es so bleiben möge, denn ob noch weitere hineinpassen würden, war fraglich. Schon lag die Karte vor uns, die wir hungrig, aber verständnislos studierten. Nachdem wir mit dem Finger gewählt hatten, stellte uns die Frau Wirtin eine Frage. Wir zuckten beide mit den Schultern: Jo, weil er sie akustisch nicht wahrgenommen hatte, und ich, weil ich auch kein spanisch sprach. Sie zeigt uns Holzteller in drei verschiedenen Größen. Spontan tippten wir beide auf den größten. Sie schmunzelte. Der Pizzabäcker auch. Der band sich erst mal die Schürze ab und verschwand nach draußen auf die Straße. Wir mussten ausgerechnet eine Pizza wählen, für die nicht alle Zutaten im Haus waren. Es dauerte nur ein paar Minuten und er konnte sich an die Arbeit machen. Derweil wir es uns bei der Brause gemütlich machten, hinter meinem Rücken stand der Ofen, knetete, rollte und belegte der junge Mann den Teig, um ihn schließlich in den Ofen zu schieben. Wir alle warteten. Dann tischte uns die Wirtin auf: zwei Pizzas, so groß wie Wagenräder. Wieder schmunzelte sie, als sie uns guten Appetit wünschte. Schmunzle du nur, dachte ich, was Teßnow bezahlen muss, das ist er auch auf! Und wenn ihm schlecht wird!
Endlich war der Tag da, dem wir bis dahin entgegengefiebert hatten. Es war Freitag in aller Herrgottsfrühe und noch stockdunkel als wir zum Bahnhof fuhren, denn nach Agusa Caliente, dem Ausgangspunkt für jeden Machu-Picchu-Besuch, gelangt man nur per Bahn. In diesem Fall ist es die bequemste Art und Weise, sich einem Höhepunkt zu nähern.
Der Bus schaffte es nicht, bis ganz zum Bahnhof durchzukommen. Marktkarren verstopften die Straße. Wir mussten aussteigen und in die eisige Morgenluft raus, um uns selber auf den letzten 200 Metern einen Weg zum Bahnhof zu suchen. Zum Glück hatten wir nur Handgepäck dabei. Seit Kurzem steht für die Touristen ein besonderer Zug bereit, um ihr Gepäck vor ungewollten Kontakten mit Einheimischen zu schützen. In solch einem waren für uns Plätze reserviert. Die Einheimischen müssen fortan mit öffentlichen Zügen vorlieb nehmen, in denen die Ausstattung mit Sicherheit um einiges weniger komfortabler ist.
Der Zug legte pünktlich von der Bahnsteigkante ab und begann, sich in mehreren Kehren den Berg hochzuquälen. Die ersten 20 km folgt er dann der Straße Nr. 3 nach Westen, dann gute 30 km einem Flüsschen nach Norden, bis er Ollantaytambo erreicht, wo wir bereits mit dem Bus waren. Der Zug hielt und Touristen mit schweren Rucksäcken stiegen ein. Waren wir bis hierher durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet gekommen, so wies uns nun der Urubamba einen Weg durch enge Schluchten. Bei Kilometer 88 (2599 m ü. M.) stiegen die meisten Rucksäcke wieder aus. Sie zogen es vor, den Rest des Weges zu Fuß zu gehen, und zwar über den Inka-Trail, einer freigelegten 400 Jahre alten Inka-Straße. Es sind ja auch nur 45 km. Die haben es allerdings in sich. Sie haben drei Pässe zu überqueren, von denen der höchste bei 4200 Meter liegt. Für diese Tour sind 3 - 5 Tage angesetzt. Man kann sich zwar indianische Träger mieten, die tragen aber nur das Gepäck. Auf dieser Strecke Esel einzusetzen, verbietet der Tierschutz. Ich würde es nicht mal alleine fertigbringen, nur meine Tabletten auf 4200 Meter hoch zu tragen! Den Trägern hätte ich die aber auch nicht mitgeben können, denn die sind immer um einige Kilometer voraus. Also blieben wir schön im Zug sitzen und beobachteten genüsslich ihren Abmarsch über die Brücke zur anderen Flussseite, wo sie im Dickicht unseren Augen entschwanden. Wir fuhren weiter und hielten Ausschau nach irgendwelchen Inka-Ruinen in den Bergen, konnten aber von hier unten nichts erkennen außer grünes Gestrüpp und Felsen. Bei Kilometer 104 stoppte der Zug schon wieder. Von hier aus können sich noch kurz Entschlossene zu Fuß auf den Weg machen. Es sind nur noch lumpige 8 km, die man gut in einem Tag schaffen kann. Wir rollten ausgeruht und unternehmungslustig in den Bahnhof von Agusa Calientes ein, wo wir uns durch die ersten Souvenirangebote zu einem der Busse durchdrängelten. Erst als der vollbesetzt war, schaukelten wir in ihm den Berg hoch. Diese Straße gibt es erst seit 1948. Sie ist 12 km lang und schlängelt sich in unendlichen Serpentinen bis vor ein komfortables und sehr teures Hotel namens Machu Picchu Sanctuary Lodge. Ein Bett nahe bei den Göttern hat überall seinen Preis!
Geschafft! Wir waren am Ziel unserer Reise. Wie viele Bilder und Filme haben wir nicht schon über Machu Picchu gesehen, die in uns Sehnsüchte und große Erwartungen geweckt hatten. Wie würde uns der Berg aufnehmen? Würden wir das finden, wonach wir suchen wollten? Die ersten Blicke hinüber waren verheißungsvoll. Begrüßungsdrink, Schlüssel empfangen, Zimmer beziehen: alles ging viel zu langsam. Aber dann war es endlich soweit, wir machten uns auf den Weg nach Machu Picchu.
Unsere Gruppe folgte brav den beiden Reiseleitern zum sogenannten Haus der Terrassenverwalter, dem heutigen Zugang des Ruinenareals. Sie führten uns zu einem Platz auf einer der vielen Terrassen, von wo aus wir einen guten Überblick hatten und uns die einheimische Reiseleiterin einen ersten Vortrag halten konnte. Der anschließende Rundgang führte uns zu den wichtigsten Punkten. Viele Namen der Gebäude sind willkürlich und das meiste, was die Archäologen von sich geben, ist reine Spekulation. Machu Picchu heißt ganz einfach "der Gipfel" und hat nichts mit den Ruinen zu tun. Aber wir brauchten eine Führung, um die Richtung nicht zu verlieren. Ich tue mich schwer mit der Beschreibung. Eigentlich sahen wir hier nicht viel Neues. Ruinen von Häusern, Tempeln, Terrassen, Brunnen, Kanäle, kunstvoll behauene Steine überall: hatten wir alles schon woanders gesehen. Zugegeben, es ist besonders gut erhalten und gepflegt. Was aber das Besondere von Machu Picchu ausmacht und was sich mit Worten nicht beschreiben lässt, ist die Gesamtheit der Anlage und ihre Platzierung in einer grandiosen Kulisse. Wenn du dort bist, musst du alles, was du bisher darüber gehört und gesehen hast, vergessen, dich nur irgendwo hinsetzen, die Beine und die Seele baumeln lassen, und die außergewöhnliche Atmosphäre dieses Ortes tief in dich einsaugen. Tue alle Superlative, die auf Machu Picchu angewendet werden, beiseite, sie sind sowieso nichtssagend. Betrachte ganz einfach das Wechselspiel von Licht und Schatten, höre auf die Ruhe dieses Ortes und siehe zu, wie Luft und Wolken kommen und gehen. Dann stelle dir die Ströme von Blut und Schweiß vor, die dies alles geschaffen haben. Atme tief durch, sei einfach dort und mittendrin!
Und dazu bist du am besten allein oder mit einem lieben Freund an deiner Seite.
Doch noch erklärte uns die Reiseleiterin im Schnelldurchgang jeden einzelnen Stein, bis wir plötzlich wieder am Hotel angekommen waren. Sie verabschiedete sich freundlich von uns, nicht ohne vorher den obligatorischen Obolus erhalten zu haben, und entließ uns zum Mittagessen ins Hotel.
Es dauerte nicht mehr lange, bis sich vor dem Hotel die meisten Touristen wieder auf den Weg nach unten machten. Es wurde still und so beschlossen wir, noch einmal die Anlage zu betreten.
Von einer höher gelegenen Terrasse aus schauten wir auf ein Postkartenpanorama. Dann gingen wir langsam vom sogenannten Bestattungsstein, auf dem angeblich die Toten zum Trocknen ausgelegt worden waren (alles Quatsch, sagt der Käpt'n!), hinunter in die Anlage. Eine Lamaherde graste auf den Terrassen, die in 2400 m Höhe an der abfallenden Felswand kleben. Auf der engen, nach unten führenden und mit großen unregelmäßigen Steinplatten gepflasterten Straße, versperrte uns ein braunes Lama den Weg. Während wir uns vorsichtig an ihm vorbeischlichen, beäugte es uns misstrauisch. Erst als der Käpt'n dem ein paar besänftigende Worte in einer fremdartigen Sprache ins Ohr flüsterte, wandte es den Kopf von uns ab. Dass Lamas unerwünschte Touristen ganz fürchterlich bespucken, ist kein Gerücht! Wir kamen direkt in einen Bereich, wo sich auf mehreren Terrassen je ein schmaler Gang und eine Häuserzeile befinden. Erstaunlicherweise haben viele einen Spitzgiebel. Ganz aufgeregt zeigte uns der Käpt'n, wo er einst gewohnt hatte. Es ist eines der wenigen zweistöckigen Häuser. Die Holzdecke und das Dach fehlen allerdings, wie bei allen anderen Häusern auch. Bei ganz wenigen hatte man ein neues Dach draufgesetzt. Auf unserem Streifzug stießen wir auf ein nicht näher bezeichnetes Gebäude in der nähe des Haupttempels, dessen Giebel im unteren Bereich aus riesigen behauenen Monolithen besteht. Zwischen den schweren Blöcken hatten sich deutliche Spalten gebildet, ein Zeichen dafür, dass hier was in Bewegung ist. Uns waren schon vorher die vielerorts von den Geologen aufgestellten Messpunkte aufgefallen. Der Berg versucht, seine Last abzuschütteln. Die Konsequenz wird eines Tages sein, jeglichen Zugang zu sperren. Wir sind dem zuvorgekommen.
Weiter hinten im Gelände, auf einem Erdwall gelegen, befindet sich das wichtigste Heiligtum Machu Picchus, dem Intihuatana oder "Pfosten der Sonne". Der Felsblock ist nach allen Regeln der Steinmetzkunst behauen und man würde ihn für ein modernes Kunstwerk halten, stünde er bei uns auf dem Marktplatz. Man glaubt, er sei für astronomische Berechnungen genutzt worden. Aber genaues weiß man nicht. Er ist der einzige vollständig erhaltene Intihuatana in ganz Peru. Zwei Meter vor dem Stein, mit dem Rücken gefährlich nah am Abgrund, saß eine Frau mit gekreuzten Beinen und geschlossenen Augen. Eigentlich hätten wir sie gar nicht sehen dürfen, denn sie war in sich gegangen. Wir verhielten uns ganz ruhig, um sie nicht zu erschrecken, und beobachteten sie aus den Augenwinkeln heraus. Plötzlich hob sie ab und schwebte über dem Abgrund. Sollte der Platz hier tatsächlich etwas Mystisches haben? Lautstark meldete sich der Käpt'n zu Wort: "Papalapapp, alles Quatsch!" Die Schwebende schlug die Augen auf. Das Letzte, was wir von ihr vernahmen, war ein in der Tiefe verhallender Schrei der Erleichterung. Der Käpt'n erklärte uns, dass dieser Platz nichts weiter war, als eine Haltestelle für den öffentlichen Fernverkehr, und der Stein lediglich als Anker für die ankommenden Luftschiffe gedient habe. Er müsse das schließlich wissen, denn er war selber lange Jahre hier im Liniendienst eingesetzt. Jetzt war uns natürlich klar, warum die Spanier im ganzen Land diese Steine zerstört hatten. Wollte man ein Volk ausrotten, musste man seinen Verkehr verhindern.
Aufgewühlt und überwältigt erreichen wir unser Hotel noch vor dem Dunkelwerden. Wir studierten die auf handgeschöpftem Papier gedruckte Speisekarte, die in unserem Zimmer auslag, und beschlossen, uns mit den Appetithäppchen zu begnügen, die das Zimmermädchen auf den Tisch gestellt hatte. Zwei nette Damen aus unserer Reisegruppe, die das Zimmer nebenan bewohnten, überließen uns freundlicherweise auch noch ihre Häppchen. Vor dem Schlafengehen klopfte ich bei ihnen, um sie zu einem Gläschen medizinischen Whiskeys einzuladen, aber sie öffnen nicht.
Sonnabend, 16.Tag. Nach dem Frühstück, welches genau wie das gestrige Mittagessen im Preis inbegriffen war, gingen wir vier alleine auf Tour über den Berg. Unter Führung von Hein Blöd und Käpt'n Blaubär hielten wir uns abseits der wenigen Touristen, die um diese Tageszeit hier herumspazierten und wie wir die Abgeschiedenheit suchten und genossen. Wenn beim Frühstück der Berg und die umliegenden Gipfel noch in dichten Wolken versteckt lagen, so hatte sich jetzt ein Loch aufgetan und die Ruinen in ein herrliches Licht getaucht. Nun bereuten wir das Mitnehmen der Jacken, denn es begann warm zu werden. Die Anlage füllte sich langsam mit Menschen. Wir beschlossen zu verschwinden und zum Sonnentor, dem Intipunka (2700 m), aufzusteigen. Von dort oben kommt die alte Inka-Straße und jeder, der sich Machu Picchu zu Fuß nähern wollte. Der Weg beginnt recht breit und mit Stufen, die nicht zu hoch sind. Sie versprachen einen leichten Aufstieg. Die Sonne schien, obwohl das Sonnentor noch wolkenverhangen war. Leichten Schrittes sprangen wir von Stufe zu Stufe und erfreuten uns am üppigen Grün des Hanges zu beiden Seiten. Unbekannte Blumen leuchteten in verschiedenen Rottönen und von den Ästen hingen spanische Bärte. Wir trafen auf einen schwer beladenen jungen Träger, der aus einer Quelle trank. Wir grüßten und er lachte trotz des Gewichtes auf seinem Rücken. Uns aber blieb beim weiteren Aufstieg das Lachen im Halse stecken. Der Weg war längst nicht mehr so bequem, so breit und so gerade. Er schlug Haken, wurde beängstigend eng und bei so mancher Stufe nahmen wir besser die Hände zu Hilfe. Die Sonne brannte, was das Zeug hielt. Kaum ein Lufthauch. Am liebsten hätte ich meine Fototasche und die Jacke beiseitegelegt und erst auf dem Rückweg wieder eingesammelt. Jedes zusätzliche Gewicht wurde zur Qual. Wir kämpften uns aber tapfer vorwärts. Einzelne Wanderer taumelten uns von oben entgegen, abgekämpft und nach tagealtem Schweiß stinkend. Wir waren erfreut über jede Begegnung, konnten wir doch einen Augenblick beiseitetreten und verpusten. Ein Engländer (?), vielleicht in unserem Alter, sah uns die Strapazen an und meinte, während ihm unentwegt Schweiß von der Nasenspitze tröpfelte: "Down it's easy!" Er hob mit letzter Kraft grüßend die Hand und wankte vorbei. Nach einer Stunde erreichten wir endlich das Sonnentor, wo schon mehrere Teilnehmer unserer Reisegruppe saßen und uns mit Applaus begrüßten, bevor sie sich an den Abstieg machten. Merkwürdigerweise sahen sie alle recht munter aus. Entweder hatten sie den Aufstieg weit besser verkraftet, oder sie saßen hier schon stundenlang. Im Schatten ließen wir uns fallen und kramten die Wasserflasche sowie Hein und den Käpt'n aus dem Rucksack. Vorsichtig nahm ich den Hut ab, aus dem sich sofort ein Sturzbach ergoss. Eine Weile genossen wir den Ausblick und die himmlische Ruhe. Damit war es aber bald vorbei, denn eine Horde junger Leute tauchte auf, die das Sonnentor nun für sich beanspruchten. Wir sind uns nicht sicher, aber der Sprache nach könnten es Israelis gewesen sein. Wenn die überall so viel Lärm machen, wo sie eigentlich ruhig sein sollten, kann ich glatt die Palästinenser verstehen. Wir kehrten dem ungemütlichen Haufen den Rücken und begaben uns nach unten. Wegen der Pausen brauchten wir ebenfalls eine Stunde. Anfangs hatten wir mit dem Gedanken gespielt, auch noch den Granitgipfel des nördlich von Machu Picchu gelegenen Huayua Picchu, der nicht ganz so hoch ist, zu erklimmen. Der Weg ist aber sehr viel steiler und meinem Blutdruck zuliebe hatten wir auf dieses Spektakel verzichtet.
Wir mochten uns aber noch nicht von Machu Picchu verabschieden, denn wir kämen mit Sicherheit nie wieder hierher zurück. So unternahmen wir also noch einmal einen Spaziergang durch die weitläufige Anlage, bevor wir ins Hotel gingen, um uns auszuchecken. Da wir in Agusa Caliente noch etwas essen wollten, ehe der Zug fahren würde, stiegen wir gegen 13.00 Uhr in den nächsten Bus nach unten und warteten. Die Busse fahren erst los, wenn sie voll besetzt sind. Unser war erst halb voll. Ich hielt Ausschau nach irgendwelchen Jungs, die längst hätten aufgetaucht sein müssten, wie ich meinte. In dem Film, den ich vor vielen Jahren gesehen hatte, war es jedenfalls so. Aber es zeigte sich keiner. Erst als der Bus abfuhr und ich mich ein letztes Mal umsah, bemerkte ich einen kleinen Jungen, der die steile Treppe hinunter verschwand. Und richtig, wie im Film stand er in der zweiten Kurve, winkt ganz heftig und brüllt dem vorbeifahrenden Bus an: "Goooood Beyyyyyyyy!!!" Nur wenige Fahrgäste winkten zurück. Das wiederholte sich fünfmal. War der Bus außer Sichtweite, hastete der Junge die gefährliche Treppe hinunter, um uns in der darunter liegenden Kurve zu erwarten. Die Begeisterung der Fahrgäste nahm von Mal zu Mal zu. An der letzten hielt der Fahrer. Der abgekämpfte und nach Luft ringende Bursche stieg in den Bus, wo er jeden seine offene Mütze entgegenhielt. Von den meisten Leuten bekam er seinen schwer verdienten Obolus.
In einem der vielen netten Restaurants, die direkt neben dem Fluss stehen, bekamen wir für 84 Pesos reichlich zu essen und zu trinken. In einem Winkel standen drei Musiker. Sie versuchten den Urubamba zu übertönen, der zwischen dem Geröll in seinem Bett ein ziemliches Getöse veranstaltete.
Die letzte Nacht in Peru schliefen wir noch einmal in Cusco. Dann Transfer zum Flughafen und abwarten.
In Lima hatten wir bis zum Weiterflug nach Deutschland Zeit genug für eine Fahrt zum Indiomarkt nach Miraflores. Man nahm an, dass noch genug Geld in unseren Taschen darauf lauerte, ausgegeben zu werden. Die allgemeine Begeisterung hielt sich aber in Grenzen. Also auf nach Chorillos zur Steilküste, wo dicht an den Klippen ein Restaurant mit einer besonderen Attraktion aufwartet. Unser Käpt'n hatte den Reiseleiter darauf aufmerksam gemacht. Bei eisigem Wind liefen wir ein paar Minuten auf den Klippen umher, dann kam ein Kellner aus dem Restaurant herunter. Er war barfuß und hatte eine braune Mönchskutte an. Vorsichtig platzierte er sich ganz dicht an den Rand der Klippe, breitete theatralisch die Arme auseinander und sprang kopfüber 8 Meter hinunter in die Brandung. Alles staunte. Und für diejenigen, die vor lauter Staunen nicht rechtzeitig ihre Kamera bereithatten, wiederholte er das Ganze noch einmal. Alles gegen Bezahlung natürlich. Der Legende nach soll sich hier einst ein junger Mönch aus Liebeskummer in den Tod gestürzt haben. Dass das so nicht ganz stimmen kann, beweist allein schon die Tatsache, dass auch der Kellner seine Arbeit unbeschadet wieder aufnehmen konnte. Richtig ist vielmehr, dass Hein damals zusammen mit einem Mönch versucht hatte, Heringe zu angeln. Nebenbei hatten die beiden etwas Messwein gepichelt. Als dann der böse Abt kam, hatten sie aus Versehen neben der Weinflasche auch noch den Schlüssel zum Weinkeller ins Meer geworfen. Und der musste natürlich anschließend wieder rausgeholt werden. Aber als Legende taugt die Wahrheit natürlich nicht.
Hiermit soll unser Bericht enden. Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass Krabben mit keinem einzigen Wort erwähnt wurden. Das ist auch korrekt so! Wir hatten nämlich weder am Meer noch in den Anden irgendeine Spur dieser possierlichen Tierchen finden können. Und zum Schluss noch eine traurige Nachricht. Zwei Wochen nach unserer Reise hatte ein starkes Erdbeben in Peru fürchterliche Verwüstungen angerichtet. Ihr werdet sicher glauben, dass uns das Herz geblutet hat, als wir die Bilder davon in den Nachrichten sehen mussten.











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