Sizilien 2018
Reiseberichte
Käpt’n Blaubär: Hallo Kinnings, hiermit melden sich Käpt’n Blaubär und Leichtmatrose Hein Blöd von ihrem Sizilientrip zurück. Die Umsegelung dieses Siziliens hat uns trotz der mannigfaltigen Strapazen viel Spaß gemacht. Aus Altersgründen mussten wir sie leider in einem Bus sitzend bewältigen, was den Spaß naturgemäß etwas gemindert hat. Stimmt’s, Hein?
Hein Blöd: Naturgemäß, stimmt genau, Käpt’n. Und trotzdem brauchten wir auf das gewohnte Geschaukel nicht verzichten, denn wir haben auch die Liparischen Inseln, die nördlich von Sizilien liegen, in einem Boot erkundet.
Käpt’n Blaubär: Das ich auf dem Bild oben mein Gesicht so verzerre liegt lediglich daran, dass der Fotograf zum falschen Zeitpunkt auf den Auslöser gedrückt hat. Er hätte eigentlich solange warten sollen, bis ich mit dem Einziehen meines Bauches fertig bin. Und, Sizilien ist eine Insel, darum das viele Wasser im Hintergrund.
Hein Blöd: Bauch? War mir noch gar nicht aufgefallen. Aber das mit der Insel weiß doch jeder.
Käpt’n Blaubär: Irgendwie hatten wir, auf alle Fälle ich, eine ganz andere Vorstellung von diesem Eiland. Straußeneiland! Denn während meiner ganzen bisherigen Seefahrerkariere habe ich es stets vermieden, auch nur in die Nähe dieses mit Piraten verseuchten Stückchens Land zu kommen. Dem Klabautermann sei Dank, dass inzwischen die meisten von denen ausgestorben sind. Auch an unser einem ist im Laufe der Zeit nicht die Erkenntnis von der fortdauernden Erdplattenverschiebung und den damit einhergehenden Erdbeben und dem Vulkanismus vorbeigegangen. Aber diese beeindruckende Bergwelt war in meiner Vorstellung von Sizilien nicht vorgesehen.
Hein Blöd: An diese Vorstellung kann ich mich gar nicht erinnern, Käpt’n.
Käpt’n Blaubär: Halte deinen Schnabel, Hein. Es gibt natürlich auch bepflanzbare Ebenen und Täler, über die sich gewaltige Brückenbauwerke spannen. Die Gebirge sind von Tunneln durchbohrt wie früher der Schweizer Käse. Sizilien ist nicht nur Insel der Oliven, des Weines und der Orangen, sondern auch Insel der zehntausend Brücken und Tunnel. Die neueren Bergdurchbrüche machen einen ordentlichen Eindruck. Soweit ich das beim schnellen Durchfahren beurteilen konnte.
Hein Blöd: Die älteren haben jedenfalls etwas von einer verschimmelten Tropfsteinhöhle an sich.
Käpt’n Blaubär: Beim Überfahren einer Brücke konnten wir schlecht beurteilen, wie sie unten herum aussieht.
Hein Blöd: Das wollen wir vielleicht auch lieber nicht wissen, Käpt’n. Ich habe im Vorbeifahren die noch im Bau befindlichen gesehen. Von denen war bereits stellenweise der Beton abgebröckelt, so dass der rostige Armierungsstahl zum Vorschein kam.
Käpt’n Blaubär: Dieser sichtbare Armierungsstahl muss aber nicht zwangsläufig etwas mit der Mafia zu tun haben. So nennen sich die übriggebliebenen Piraten heute, habe ich mir sagen lassen. Denn die hat heute effektivere Betätigungsfelder, wie ich hörte. Das ist schlicht und ergreifend Pfusch am Bau oder ganz alltägliche Korruption, wie sie auch hierzulande üblich ist und von Staats wegen finanziell gefördert wird. Öffentliche Anlagen sind durchweg ungepflegt. Bei Wassermangel verstärkt sich dieser Eindruck um ein Vielfaches. Und natürlich hat Sizilien ein riesiges Müllproblem. Da, wo es eine Müllabfuhr gibt, ist sie schlecht organisiert. Die Enge der Städte macht den Einsatz wirkungsvoller Technik oft unmöglich.
Hein Blöd: Ich hab ganz kleine, niedliche Müllfahrzeuge gesehen, die von Hand beladen werden müssen. Zwei von unseren Tonnen, und sie sind voll!
Käpt’n Blaubär: Sehr viele Menschen sehen sich zum Leidwesen der schönen Natur gezwungen, ihre Müllsäcke entlang der Landstraßen zu entsorgen.
Hein Blöd: Was der Landluft eine ganz spezielle Würze verleiht.
Käpt’n Blaubär: Der Verkehr in den Städten ist chaotisch und mit wenig Parkraum versehen. Die Benutzung der bei uns so beliebten Zebrastreifen ist für Fußgänger und ganz speziell für Touristen lebensgefährlich und deswegen nicht ratsam. Auf Sizilien werden sie vielmehr als Kunst am Bau betrachtet. Sie sind zwar auf den Straßen aufgemalt, führen aber nicht von einem Gehsteig zum anderen, sondern von einer Blumenrabatte in eine andere. Beampelte Übergänge bieten etwas mehr Sicherheit. Essen ist ein nicht zu unterschätzendes Urlaubselement.
Hein Blöd: Hatten sie nicht gesagt, dass sie auf dieses leidige Thema verzichten wollten, Käpt‘n?
Käpt’n Blaubär: Nur ein paar Worte dazu. Wenn Verköstigung im Reiseprogramm vorgesehen war, war es reichlich. Und nicht übernudelt. Um einmal italienische Spagetti zu probieren, musste ich sie mir in unserer Freizeit selbst bestellen. Und über den Genuss war ich nicht amüsiert! Es gibt auf Sizilien jede Menge Gewürze und Gewürzmischungen zu kaufen. Leider haben sie den Weg in die gewerblichen Küchen bisher noch nicht gefunden. Alle Nudeln werden sehr, sehr bissfest serviert.
Die Insel hat mit einem zunehmenden Touristenstrom zu kämpfen. Wenn dem nicht Einhalt geboten wird, dann, so befürchte ich, wird sie eines schönen Tages unter deren Gewicht wie Atlantis im Meer versinken. Da kann die Afrikanische Platte noch so viel drücken wie sie will. Die Sizilianer scheinen das Problem gelassen zu sehen. Sie sind aus der Vergangenheit alle Arten von Eroberern gewöhnt, die sich die Klinke in die Hand gaben. In vergangenen Zeiten haben sie sich deswegen mit Hab und Gut auf die Berge geflüchtet und sich mit hohen Mauern umgeben. Was schon bei den früheren Touristen die Begeisterung an der Eroberung erhöhte. Sie alle haben sich auf der Insel verewigt.
Hein Blöd: Aber nicht wie die heutigen Touristen mit Schmierereien an den Wänden.
Käpt’n Blaubär: Nein. Sie haben nicht nur teilweise oder ganz niedergerissen (oder zurückgebaut, wie man heute sagt), was ihre Vorgänger aufbauten, sondern immer auch selbst herrliche Bauwerke geschaffen, die zum Teil noch heute zu bewundern sind. Die Stadtanlagen auf den Bergen bestehen bis heute fort, sehen von fern sehr malerisch aus, bieten aber nur ein beschwerliches Leben. Viele Häuser sind unbewohnt und dem Verfall preisgegeben, wenn es nicht gelingt, sie wieder mit Leben zu füllen.
Hein Blöd: Das Leben auf dem Lande dürfte in vergangenen Zeiten auch kein Zuckerschlecken gewesen sein.
Käpt’n Blaubär: Hat ganz den Anschein, denn das Land ist übersät mit alten Ruinen ehemaliger Bauernkaten, deren einstige Bewohner in die Städte geflüchtet sind oder das Land ganz verlassen haben. Auch viele Industrieanlagen liegen heute ruinös darnieder.
Hein Blöd: Das alles schmälert keineswegs die Freude an der Grandiosität der sizilianischen Landschaft und ihren gastfreundlichen Bewohnern. Um Sizilien zu erhalten, sollten nach uns keine Touristen mehr dorthin reisen!
Käpt’n Blaubär: Gut gesprochen, Hein! Im Gegensatz zu unseren anderen Reisen sind wir nicht wieder gut zu Hause angekommen. Irgendwie war der Wurm drin. Wir hatten die Hoffnung, schon einen Flieger eher von Frankfurt/Main nach Hamburg zu erwischen, als den vorgesehenen. Aber leider war laut Flugplan keiner früher als der um 15 Uhr vorgesehen. Wir setzen uns also in den gemütlichen Wartebereich am entsprechenden Gate. Wenn einem die Zeit zu lang wird, beginnt man herumzuschlendern. Dabei sehe ich zufällig auf die Abfluganzeige. Und was sehen meine übermüdeten Augen? Unser Flug um 15 Uhr wurde gestrichen! Uns war keine diesbezügliche Durchsage zu Ohren gekommen. Wir ganz aufgeregt zum Service-Schalter von Lufthansa.
Hein Blöd: Da mussten wir an einem Mann vorbei, der erst einmal überprüfte, ob wir ein ernsthaftes Anliegen haben und nicht nur seine Schalterkolleginnen belästigen wollen.
Käpt’n Blaubär: Nachdem er das sichergestellt hatte, zog er für uns wie auf dem Arbeitsamt eine Nummer. Dann durften wir platznehmen. Immer mit Blick auf die elektronische Anzeigetafel, auf der dann auch irgendwann unsere Nummer und der für uns zuständige Schalter aufgerufen wurde. Wir und unser Gepäck wurden zügig auf die 16-Uhr-Maschine umgebucht. Als kleines Dankeschön für ihr Verständnis erhielten unsere beiden Mitreisenden je einen 5-Euro-Verzehrgutschein. Ich, Käpt’n Blaubär, und Hein Blöd gingen leer aus. Angeblich sind wir keine berechtigten Personen im Sinne des Personen-Beförderungsgesetzes! Weil unsere beiden Mitreisenden dieses beleidigende Verhalten seitens der Schalterdame wortlos hinnahmen, haben wir mit ihnen daraufhin kein einziges Wort mehr gesprochen.
Hein Blöd: Jedenfalls bis zum Abflug der Maschine.
Käpt’n Blaubär: Das ein Mensch allein mit einem 5-Euro-Gutschein auf einem Flughafen nicht überleben kann, sollte jedem klar sein. Aber er kurbelt die Wirtschaft an. Das hat uns dann auch über diesen Fauxpas hinweggetröstet. Endlich in der Weltstadt Hamburg gelandet, streikte längere Zeit das Gepäckband. Da ich von Natur aus schon immer phlegmatisch war, was schon meiner Mutter ein Dorn im Auge war, hatte ich mit der erneuten Warterei nicht so viele Probleme wie unsere Mitreisenden. Schließlich konnten wir doch noch unsere schweren Koffer vom Band zerren und damit zum Parkhaus zuckeln. Gut, dass wir den genauen Standort unseres Autos wussten …
Hein Blöd: Denn wiedererkannt hätten wir es nicht so ohne weiteres.
Käpt’n Blaubär: Es war mit einer dicken Schicht Staub bedeckt, auf den wir technisch nicht vorbereitet waren. Bevor wir dann endlich damit die in Richtung Rostock führende Autobahn erreichten, haben wir uns dank Hein Blöds Mithilfe zweimal verfahren.
Hein Blöd: Das war gar nicht nett, eben!
Käpt’n Blaubär: Auf der Autobahn hatten wir mal ausnahmsweise großes Glück. Denn die Polizei hatte sie wegen eines bösen Verkehrsunfalles ganz kurz vor einer Ausfahrt abgesperrt. Die konnten wir aber benutzen und durften unter den Augen der Beamten verkehrswidrig gleich wieder auf die Autobahn auffahren. Gegen 22 Uhr meinte das Navi, dass wir unser Ziel auf der rechten Seite erreicht haben. Allerdings stellte sich ein paar Tage später erst heraus, dass wir auf der Autobahn doch nicht solch großes Glück hatten, denn unser Auto überraschte uns hinten links mit einem Platten. Abschließend möchten wir unseren Freund Pedro, den wir während unserer Reise kennenlernen durften, herzlich grüßen und ihm noch viele schöne Reisen wünschen.
Euer Käpt’n Blaubär.
Hein Blöd: Und Hein Blöd! Ach ja, wir haben für euch ein paar Fotos aussuchen lassen. Viel Spaß beim Anschauen auf dieser Seite.



